Der Arbeitsalltag

Anforderung

„Wer als Online-Journalist arbeiten will, darf keine Berührungsängste haben - weder Menschen noch Computern gegenüber. Er muss gewandt sein im persönlichen Gespräch, am Telefon und in der Online-Kommunikation. Der Online-Journalist recherchiert, trifft Kooperationspartner auf Messen und Meetings, organisiert. Idealerweise schreibt er schnell und sicher, redigiert und bearbeitet und kommt mit der Technik klar. Er denkt ökonomisch und kann unter Zeitdruck noch effektiv arbeiten. Als Medienmacher fühlt er sich den Grundsätzen des Pressekodex verpflichtet.“, schreibt Gabriele Hooffacker.

Dass Online-Journalismus nicht nur aus Schreiben und Gestalten besteht, ist typisch für die journalistische Tätigkeit insgesamt. Quer durch alle Medien hat sich eine Zweiteilung herausgebildet zwischen den mehr kreativen Autoren und den Redakteuren, bei denen Management-Aufgaben überwiegen. Daneben gibt es, den Journalistenbüros oder Produktionsfirmen vergleichbar, journalistische IT-Dienstleister, die alles aus einer Hand bieten: Konzeption von Text, Bild, Audio, Video, Organisation und Produktion. Sie werden, wenn sie freiberuflich arbeiten, auch als E-Lancer (analog zum Freelancer) bezeichnet.

Online-Journalisten, die vom Aufdecken spektakulärer Bestechungsaffären träumen, sind vielleicht enttäuscht: Der Alltag des Online-Journalisten besteht wie bei den Kollegen der traditionellen Medien auch darin, die Auszeichnung verdienter Mitarbeiter im Rathaus oder bei einem ortsansässigen Unternehmen zu filmen (Videoreporter). Möglicherweise muss er den langatmigen Beitrag eines freien Mitarbeiters redigieren und kürzen (Online-Redakteur), mit Kooperationspartnern die technischen wie finanziellen Einzelheiten der geplanten Content-Partnerschaft festklopfen (Content-Manager) oder den nervigen Mitdiskutanten im Forum per E-Mail einbeziehen und die Online-Diskussion straffen (Online-Moderator).

Tätigkeiten für andere Bereiche nehmen zu

Medienexperte Christoph Neuberger bezieht in seiner Studie „Journalismus und Internet“ von 2001 Stellung zu einem Trend, der auch 2007 noch anhält. Wenig überraschend sei, dass Online-Journalisten bei Tageszeitungen auch insgesamt am wenigsten Zeit für die journalistische Recherche hätten. „Auf der anderen Seite schreiben und recherchieren Journalisten von Nur-Online-Anbietern am häufigsten, schließlich erhalten sie keine Zulieferungen eines Muttermediums.“ Generell fällt ihm auf, dass Online-Journalisten zunehmend auch für nicht- journalistische Angebote eingesetzt werden wie die inhaltliche Gestaltung von Werbung, Anzeigen, E-Commerce und Kundenauftritten. „Rollenkonflikte scheinen hier unausweichlich“, so Neuberger.

Informationen und Ratgeber für freie Journalistinnen und Journalisten finden Sie auf der Website des Deutschen Journalisten Verbandes www.djv.de oder auf den Seiten der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union in ver.di, dju.verdi.de

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