„So schnell wie möglich auf die Seite”
Claudia Frickel, geboren 1972, ist seit über 15 Jahren als Journalistin für Online- und Printmedien tätig, unter anderem bei Focus online. Als Dozentin unterrichtet sie zusätzlich (angehende) Online-Journalisten an der Journalistenakademie und der Akademie der Bayerischen Presse. Im Interview schildert die 37-Jährige den Alltag und Arbeitsablauf eines Journalisten in einer Online-Redaktion.
Der Tagesablauf in einer Online-Redaktion ist natürlich viel mehr geprägt vom aktuellen Geschehen als bei Print. Wenn etwas passiert, muss das so schnell wie möglich auf die Seite gestellt und immer aktualisiert werden, wenn neue Informationen dazukommen. In der Printredaktion kann man den Tag über abwarten, Informationen sammeln, weiter recherchieren und erst kurz vor Redaktionsschluss einen Artikel schreiben. Einen solchen Redaktionsschluss gibt es bei Internetmedien nicht – es muss immer alles so aktuell wie möglich sein.
Ja natürlich! Der Journalist muss flott arbeiten können, immer den Nachrichtenticker und andere Informationsquellen im Auge behalten und Themen möglichst schnell umsetzen.
Ja, wie viele und wann sie stattfinden, hängt vom Medium ab. In der Regel sind es zwei am Tag – eine morgendliche Themenbesprechung und eine gegen Abend.
Natürlich werden auch Themen im Voraus festgelegt. Es gibt feste Termine wie Wahlen, Bundestagsentscheidungen oder Jahrestage. Dazu werden so früh wie möglich begleitende Themen und Artikel geplant und vorbereitet. Würde man ausschließlich tagesaktuell arbeiten, bestünde die Gefahr, dass man von Ereignissen überrascht wird. Vorbereitung ist alles – und man bietet dem Leser einen Mehrwert durch zusätzliche Inhalte. Dieses Vorgehen unterscheidet sich aber nicht allzu sehr von der Printredaktion.
So schnell wie möglich auf die Seite bringen – natürlich im Idealfall nach Gegencheck, ob die Information auch stimmt. Im Zweifel kommt die Eilmeldung aber auf die Seite, anschließend wird geprüft und gegebenenfalls korrigiert. Das hängt natürlich immer auch von der Quelle ab – auf die Informationen einer Nachrichtenagentur wird man sich verlassen. Wenn dpa meldet, dass ein Flugzeug abgestürzt ist, kann man nicht warten und checken, ob das auch stimmt. Der Leser erwartet, dass er diese Nachricht so bald wie möglich auf der Seite findet.
So wie andere Journalisten auch: Die Recherche erfolgt je nach Thema meist über das Internet oder mit Hilfe von Experten, die befragt werden. Zudem bekommt man Informationen über Nachrichtenagenturen und den Ticker sowie Pressemitteilungen. Interviews hält man wie sonst auch persönlich, telefonisch oder per E-Mail. Aus Zeitgründen ist der Griff zum Telefon oft der einfachste. Grundsätzlich verbringt der durchschnittliche Online-Redakteur mehr Zeit am Schreibtisch als beispielsweise ein Lokalreporter. Das hängt aber vom Ressort und vom Medium ab. Ein Print-Nachrichtenredakteur ist beispielsweise auch nicht so viel unterwegs.
Der Online-Journalist ist nicht nur für seinen Text verantwortlich, sondern er gestaltet den gesamten Beitrag mit – das heißt, er sucht passende Bilder, Videos und sonstige Links aus. Das geschieht aber immer in Absprache mit dem CvD und den verantwortlichen Redakteuren für Foto, Video.
Ständig. Das kann man nicht mit einer Zahl benennen, da ja schon der Austausch eines Bildes oder die Ergänzung einer zusätzlichen Information eine Aktualisierung der Seite bedeutet.
Interview: Cornelia T. Heinen