Stefan Robiné ist Geschäftsbereichsleiter der ARD.ZDF Medienakademie

Stefan Robiné ist Geschäftsbereichsleiter der ARD.ZDF Medienakademie

„Kompetente Quereinsteiger bereichern den Journalismus“

Ein Interview mit dem ARD.ZDF Medienakademie Geschäftsbereichsleiter Stefan Robiné

Stefan Robiné studierte Theologie und Psychologie und sammelte als freier Mitarbeiter erste Erfahrungen bei verschiedenen Zeitungen. Nachdem er ein Rundfunkvolontariat für eine internationale Nachrichtenagentur absolvierte, war er als Reporter, Moderator und Chef vom Dienst tätig. Als stellvertretender Redaktionsleiter arbeitete er beim ARD Hörfunk, Deutschlandfunk und Fernsehen. Seit mehr als 10 Jahren ist Stefan Robiné in verantwortlicher Position für die Fortbildung der öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland, zuletzt als Geschäftsbereichsleiter der ARD.ZDF Medienakademie. Zahlreiche Trainings zu journalistischen Themen und Veränderungsprozessen in Redaktionen folgten, außerdem eine Zusatzausbildung als Business-Coach.

Verdrängt der Online-Journalismus das Medium Print?

Stefan Robiné: Ich bin zwar kein Prophet, vermute aber, es wird weniger Printmedien geben. Der Online-Journalismus hat diese Welt verändert, das ist gar keine Frage. Die Trennung zwischen den Medien verringert sich zusehends. Wir haben die Not und den Zwang, crossmedial zu denken. Ein Rundfunkmitarbeiter muss den Videojournalisten verstehen, der Online-Journalist den Contentmanager. Es muss nicht jeder alles können, aber zumindest eine Vorstellung davon haben. Nach wie vor brauchen wir Spezialisten, ob im Radio, Fernsehen oder der Zeitung. Und diese brauchen jeweils ein Basiswissen darüber, wie „online“ funktioniert. Denn „online“ ist das Bindeglied aller Medien und aus der Medienlandschaft nicht mehr wegzudenken.

Was bedeutet das Buch „Einführung in den praktischen Journalismus“ von Walther von La Roche für Sie?

Stefan Robiné: Mit diesem Buch bin ich groß geworden. Ich habe eine der frühen Auflagen gelesen, es genossen und davon profitiert. Es ist ein Grundlagenwerk des journalistischen Lebens. Es ist gewachsen und fortgeschritten mit der Zeit. Ich glaube nach wie vor, ein Buch ist ein handfestes Nachschlagewerk. Eine gute Quelle der Information und Inspiration. Entscheidend ist der Inhalt, und der ist mit den Ansprüchen der Profession gewachsen. Es ist ein hervorragendes und wichtiges Buch.

Stichwort Quereinstieg?

Stefan Robiné: Quereinsteiger wird es immer geben, weil der Journalismus eine ungeschützte Berufsbezeichnung ist. Jeder kann es auf seine Visitenkarte schreiben, ohne wirklich Ahnung zu haben. Das ist nachteilig für das gesamte Berufsbild. Tatsache ist, dass der übliche Einstieg immer noch über das Volontariat führt, um ernstgenommen zu werden. Aber wer sich die Kompetenzen an Journalistenschulen oder ähnlich seriösen Weiterbildungseinrichtungen erworben hat und wirklich die Lust und den Mut verspürt, der darf und sollte quereinsteigen. Querdenken gilt inzwischen als eine Tugend und Quereinsteigen ist eine echte Leistung für den, der es schafft. Quereinsteiger bereichern den Journalismus, denn Lebenserfahrung ist eine Qualität, die man nicht unbedingt nach einer frühen Ausbildung erlangt.

Vielen Dank für das Interview, Herr Robiné.

Das Interview führte Melanie Nunner.

 

 

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