Die Zukunft liegt im Online-Journalismus

Ein Interview mit Klaus Meier – Professor für Journalistik an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt
Klaus Meier, Professor für Journalistik

Klaus Meier, Professor für Journalistik

Vom Volontariat zur Professur für Journalistik: Das ist in Kurzform die Karriere von Prof. Klaus Meier. Zu seinen Themenschwerpunkten gehören Online-Journalismus und Crossmedia. Er reflektiert die Berufschancen in den Onlinemedien und prognostiziert die Entwicklungen der großen Verlagshäuser.

Wie schätzen Sie künftige Berufschancen im Online-Journalismus ein?

Klaus Meier: Ich sehe gute Chancen. Obwohl vermutlich die Gesamtzahl der Stellen im Journalismus kaum zunehmen wird, ist erkennbar, dass kein Medienhaus mehr ohne eine gute Online-Publikation auskommt. Redaktionen brauchen Journalisten mit Online-Kompetenz – unabhängig davon, für welches Medium sie arbeiten.

Wird sich Paid Content als Geschäftsmodell durchsetzen?

Klaus Meier: Paid Content ist DAS Thema in der Diskussion um digitale Geschäftsmodelle zur Finanzierung von Journalismus. Medienhäuser wie New York Times oder die Welt-Gruppe des Springer-Verlags gehen weit differenzierter vor als noch vor ein paar Jahren. Damals wurden generelle Bezahlschranken schnell wieder aufgehoben, weil sie einfach nicht funktionierten.

Demnach hat das Modell keine Zukunft?

Klaus Meier: Bei den neuen Modellen sehe ich Chancen, dass sie sich durchsetzen können. Wichtig ist, vom Internet und dessen Nutzern auszugehen: Für was und unter welchen Bedingungen ist der Online-Nutzer bereit zu bezahlen? Kann ich ihn durch digitalen Mehrwert zum Bezahlen animieren? Mit welchem Modell verliert der Anbieter möglichst wenig Reichweite? Wie lassen sich diese Aspekte intelligent mit einer Anzeigenfinanzierung verbinden?

Eines funktioniert sicherlich nicht: Nur von einem reinen Printprodukt auszugehen und Bezahlschranken aufzubauen, um ein Druckerzeugnis zu schützen. Gemäß dem Motto: Wir wollen unsere Geschichten in der gedruckten Zeitung verkaufen und nicht im Internet verschenken. Wenn das die einzige Begründung für eine Bezahlschranke ist, wird man im Internet keine Reichweite aufbauen und damit kaum Anzeigeneinnahmen gewinnen. Die Konsequenz ist, dass klassische Verlagsangebote irrelevant in der neuen Medienwelt werden.

Verdrängt der Online-Journalismus den Printjournalismus?

Klaus Meier: Nicht den ganzen Printjournalismus, aber gedruckte Tageszeitungen werden überflüssig. Ob in 10, 20 oder 50 Jahren, weiß kein Mensch. Das hängt vor allem von digitalen, mobilen Endgeräten ab, die wir heute noch gar nicht kennen. Ich denke da beispielsweise an eine Folie statt ein iPad.

Ihre Prognose für die Rolle des Online-Journalismus in der Zukunft?

Klaus Meier: Das Internet wird zur Leitplattform für Nachrichten, Hintergrundberichte, Analysen und zur Basis für die Diskussion und Beteiligung einer Öffentlichkeit über soziale Medien. Es wird immer mehr Leser binden und zunehmend Umsätze für Medien bieten.

Vielen Dank für das Interview, Herr Prof. Meier.

Das Interview führte Hans-Peter Pfeil.

 

 

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