„Glas halb voll oder Glas halb leer“

Ein Gespräch mit Jan Runau, Leiter der Unternehmenskommunikation bei adidas
Jan Runau, Leiter der Unternehmenskommunikation bei adidas

Jan Runau, Leiter der Unternehmenskommunikation bei adidas

„Pressesprecher und Journalisten sind keine Kollegen, jeder hat auf seiner Seite des Schreibtisches eine Rolle zu erfüllen“, sagt Jan Runau. Er muss es wissen. Schließlich kennt der Kommunikationschef der adidas Gruppe beide Seiten. Bevor Runau 1991 zum PR-Team des Sportartikelherstellers wechselte, arbeitete er als Journalist beim Donau-Kurier.

Bis heute erinnert sich der gebürtige Hamburger an den Vortrag der PR-Agentur, der letztlich sein Berufsziel änderte: „Zwei Sportprofis haben über ihre Öffentlichkeitsarbeit bei einem großen Sportevent berichtet. Ich war so fasziniert, dass ich noch am gleichen Abend beschlossen habe, in die PR zu wechseln.“ Nach einigen Praktika beginnt seine Laufbahn bei adidas. Runau ist 25 Jahre jung. Heute ist er Leiter der gesamten Unternehmenskommunikation.
Der Erfolg gibt dem leidenschaftlichen Tennisspieler und Bayerischen Vizemeister im Senioren-Doppel Recht: 2012 kürt ihn das Magazin Wirtschaftsjournalist zum Unternehmenssprecher des Jahres – zum zweiten Mal bereits. Die Auszeichnung  Deutscher Image Award erhielt Runau für seine Kommunikationsleistungen zuvor im Jahr 2006.

Journalismus ist eine hilfreiche Grundlage für gute PR

Seine journalistische Ausbildung – da ist er sich sicher – ist Teil seines Erfolgsrezepts. Dabei geht es nicht allein darum, mit den Bedürfnissen der Medien und ihren redaktionellen Abläufen vertraut zu sein. „In der heutigen Zeit hat ein Unternehmen die Möglichkeit, über Blogs und Social Media seine Botschaften im Alleingang zu streuen“, erklärt der adidas-Kommunikator. „Das bedeutet für eine Presseabteilung natürlich, dass sie in der Lage sein muss, selbst spannende Stories und interessante Beiträge zu liefern.“

Im Zentrum steht die Kooperation

Trotz der Parallelen zwischen PR und Journalismus, trennt Jan Runau die Bereiche strikt: „Ich beobachte oft auf Konferenzen, dass die Presse mit ‚Meine verehrten Kollegen‘…“ begrüßt wird. Da muss ich dann doch widersprechen.“ Der gravierende Unterschied liegt seiner Meinung nach in der Aufgabenstellung. Pressearbeit hat das Ziel, eine positive Reputation für ein Unternehmen und seine Produkte zu erreichen. Seriöser Journalismus dagegen soll unabhängig berichten und kritisch hinterfragen. „Als Unternehmenssprecher erkläre ich das Glas immer für halb voll, während der Journalist mir stets beweisen will, dass das Glas halb leer ist“, verdeutlicht Runau die Diskrepanz zwischen den Berufen. Im Zentrum steht jedoch die Kooperation. Als Sprachrohr der berühmten drei Streifen genießt er seine Zusammenarbeit mit den Journalisten. Wahrscheinlich ist das einer der Gründe, warum er seit 20 Jahren so erfolgreich die interne und externe Kommunikation des Herzogenauracher Sportartikelherstellers leitet.

Bereut hat der ehemalige Redakteur seine Entscheidung nie. Ihm gefällt die Freiheit, seine eigenen Ideen zu entwickeln und selbst aktiv zu werden: „Als Journalist muss man warten, dass etwas passiert. Jetzt kann ich selbst Anlässe schaffen, über die dann berichtet wird.“

Autorin: Tanja Haydn

 

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