Walther von La Roche

Walther von La Roche

WALTHER VON LA ROCHE, 1936-2010, Gründer und viele Jahre Herausgeber der Reihe »Journalistische Praxis«, zuletzt Honorarprofessor für Radiojournalistik an der Universität Leipzig, langjähriger Leiter der Hörfunk-Nachrichtenredaktion des Bayerischen Rundfunks (BR). Nach Besuch der Lehrredaktion des Werner-Friedmann-Instituts in München Abschluss der juristischen Ausbildung. Im BR zunächst als freier Mitarbeiter Reporter und Diskjockey, danach Zeitfunk-, Bayern- und Feature-Redakteur, Leiter des Jugendfunks, Ausbildungsbeauftragter des BR. 25 Jahre Vorstandsmitglied der Deutschen Journalistenschule. Veröffentlichungen u.a.: »Einführung in den praktischen Journalismus«, »Radio-Journalismus«. Kurt-Magnus-Preis der ARD, Auszeichnung »München leuchtet«.

 

Kein einziger Satz findet sich in den Handbüchern der gelben Reihe bis 2010, den Walther von La Roche nicht kritisch geprüft hat. Maßgeblich prägte der Herausgeber nicht nur die Gesamtkonzeption, sondern auch Stil und Erscheinungsbild dieser Fachbuchreihe.

Walther von La Roche verfasste den ersten Band der gelben Reihe selbst. 1975 erschien der Klassiker „Einführung in den praktischen Journalismus“. Weitere Veröffentlichungen folgten.

Nicht nur die Leser und Leserinnen der Reihe „Journalistische Praxis“ ließ Walther von La Roche von seiner journalistischen Erfahrung profitieren. Viele Jahre war die Aus- und Weiterbildung von Journalisten eine seiner wichtigsten Aufgaben.

Biografie

Walther von La Roche wurde am 29. Februar 1936 in München geboren. 1954 legte er am Wilhelmsgymnasium in München sein Abitur ab. Dann studierte er an der Ludwig-Maximilians-Universität München Rechtswissenschaften und schloss die juristische Ausbildung mit dem Assessor-Examen ab. Schon als Gymnasiast betätigte er sich als Schülerzeitungsredakteur und gründete den Verband bayerischer Schülerzeitungen „Presse der Jugend“. Sein Studium finanzierte Walther von La Roche durch freie Mitarbeit als Journalist bei Rundfunkanstalten, Zeitschriften und Zeitungen. Der Journalismus ist bis heute sein Beruf und seine Berufung geblieben. Walther von La Roche gehört zahlreichen Gremien und Fachverbänden an (u.a. dem Vorstand der Deutschen Journalistenschule, der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft und dem Studienkreis Rundfunk und Geschichte).

Erste journalistische Erfahrungen sammelte Walther von La Roche bereits als Schüler: Er gründete die Schülerzeitung „Unser Sprachrohr“ am Wilhelmsgymnasium. 1956 erhielt er ein Stipendium des Werner-Friedmann-Instituts in München, des Vorläufers der Deutschen Journalistenschule. Er absolvierte Praktika bei den Tageszeitungen „Mannheimer Morgen“ und „Berliner Morgenpost“ sowie beim Bundespresseamt und beim Bayerischen Rundfunk. Sein juristisches Studium finanzierte er durch freie Mitarbeit bei Rundfunkanstalten, Zeitschriften und Zeitungen.

Ab 1961 arbeitete er hauptberuflich beim Bayerischen Rundfunk, als Redakteur und Moderator im Zeitfunk, in der Bayern-Redaktion und dem „Aktuellen Feature“. Von 1967 bis 1971 leitete er den Jugendfunk, anschließend bis 1978 das Ressort „Ausbildung und Redaktion Recht“. Von da an war er 18 Jahre lang, bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand, Nachrichtenchef des BR-Hörfunks. Bis 1985 war Walther von La Roche beim Bayerischen Rundfunk zuständig für die Ausbildung in den Bereichen Hörfunk und Fernsehen.

 Veröffentlichungen

 Bücher:

  • Einführung in den praktischen Journalismus. Mit genauer Beschreibung aller Ausbildungswege (List-Verlag, München, 15. Auflage 1999).
  • (Hg. mit Axel Buchholz) Radio-Journalismus. Ein Handbuch für Ausbildung und Praxis (List-Verlag, München, 6. Auflage 1993).
  • Goethe-Institut München, Wegweiser zum Rundfunk in der Bundesrepublik Deutschland. Ausgabe 1990 (Redaktion, mit Rüdiger Peters), Ausgabe 1993/94 (Redaktion, mit Eva Schrot).
  • (Mit Dr. Ludwig Maaßen) Massenmedien. Fakten – Formen – Funktionen in der Bundesrepublik Deutschland (C.F. Müller Verlag, Heidelberg 1983).
  • (Hg. ) Egon Jameson, Augen auf. Streifzüge durch das Berlin der zwanziger Jahre (Ullstein-Taschenbuch, Berlin 1982).
  • Herausgeber der Reihe „Journalistische Praxis“.

 

Aufsätze:

  • (Mit Norbert Linke) Radio-Nachrichten. Werkstattheft. In: Medium-Magazin 7/95.
  • Schule gemacht. (Über die acht „Journalistenschulen“ in Deutschland). In: journalist 6/95.
  • Radio-Kurse. In: Sage & Schreibe, Heft 4/1993.
  • Nicht vertingeln. Wie man Radionachrichten `rüberbringt. Und wie nicht. In: Medium Magazin 1/89.
  • Das Berufsbild des Radio-Journalisten. In: Bayerische Landeszentrale für neue Medien (Hg.), BLM-Rundfunk-Kongreß 18./19. Oktober 1988, Dokumentation (München 1989).
  • Bänder und Nischen. Die Konferenz „Radio News in the 90s“. In: epd Kirche und Rundfunk 15. November 1989.
  • Ausbildung für Journalisten. In: Bernd-Jürgen Martini (Hg.), Journalistenjahrbuch `86 (Verlag Ölschläger, München 1985).
  • Recht und Organisation des Rundfunks in Deutschland. In: Wolfgang Arnold (Hg.), Die elektronischen Medien (R. von Decker`s Verlag/G. Schenk GmbH, Heidelberg 1984.
  • Vom Vorrang des Fachstudiums und von der Gefährlichkeit einer separaten Ausbildung für Wissenschaftsjournalisten. In: Robert-Bosch-Stiftung (Hg.), Wissenschaftsjournalismus und Journalistenausbildung. Eine Bestandsaufnahme (Stuttgart 1983).
  • Nachrichten als Programmgerüst. Sendezeiten und Längen von Radio-Nachrichten bei ARD, ORF und Radio DRS. In: Media-Perspektiven, Heft 1/1982, Frankfurt a. M.
  • Der Journalist im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. In: Franz C. Widmer (Hg.), Beruf: Journalist (Ringier Reihe Kommunikation, Zürich 1982).
  • Immer mehr Wege in die Redaktion. Ein Überblick über die Journalistenausbildung in der Bundesrepublik. In: Materialien zur politischen Bildung, Bonn, Heft 2/1981.
  • Radio hören. In: Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung (Hg.), Der öffentliche Sprachgebrauch, Bd. 1: Die Sprachnormdiskussion in Presse, Hörfunk und Fernsehen (Klett-Cotta, Stuttgart 1980).
  • Wie wird man heute Journalist? Die Ansprüche steigen, die Ausbildungswege werden vielfältig. Sonderdruck aus der „Frankfurter Rundschau“ vom 30. November 1979, über viele Jahre aktualisiert fortgeführt zur Beratung von Bewerbern bei der FR.
  • Recherchieren, formulieren, präsentieren. Die Akademisierung der Ausbildung hat auch den Journalistenberuf erfaßt. In: Die Zeit, 10. Juni 1977.
  • Fürs Hören schreiben. Anmerkungen aus der Praxis. In: medium, September 1977, Frankfurt a.M.
  • Lokaler Hörfunk in Großbritannien. In: Media-Perspektiven, Heft 2/1977, Frankfurt a.M.
  • Die Ausbildung des Nachrichtenredakteurs bei Hörfunk und Fernsehen. In: Kommunikationsprobleme bei Fernsehnachrichten. Politische Medienkunde Band 3 (Akademie für politische Bildung, Tutzing 1977).

Aus- und Weiterbildung von Journalisten

Walther von La Roche unterrichtete in vielen Lehrgängen der Deutschen Journalistenschule und anderer journalistischer Ausbildungsinstitute, zum Beispiel der Henri-Nannen-Schule/Hamburger Journalistenschule, der Ringier-Journalistenschule in der Schweiz  und dem Kurartorium für Journalistenausbildung in Österreich. Er leitete journalistische Fortbildungskurse für Fachkollegen, u.a. für den WDR, den ORF und das deutsche Programm der RAI in Bozen. Ein breiteres einschlägig interessiertes Publikum erreichte er durch zahlreiche Beiträge für Fachtagungen. Als Dozent hielt er Radio-Kurse für Goethe-Institute in Asien und Afrika.

Bereits in den 60er Jahren übernahm Walther von La Roche Lehraufträge am Institut für Kommunikationswissenschaft der Universität München. Weitere Lehrveranstaltungen folgten: Walther von La Roche unterrichtete an den Hochschulen in Bochum, Regensburg, Bamberg, Stuttgart, Eichstätt, Klagenfurt, Mainz und Leipzig. Seit 1996 war er an der Universität Leipzig Gastprofessor, seit 1998 Honorarprofessor für Rundfunkjournalistik.

Am 9. Mai 2010 ist Walther von La Roche den Folgen einer schweren Erkrankung erlegen. Zu den Nachrufen

Irene Stuiber