Was kommt nach Web 2.0?

"Es wird bis 2017 noch viele Dinge geben, von denen wir uns im Moment keine rechte Vorstellung machen. Es könnte beispielsweise sein, dass die Dominanz von HTML bis dahin nicht mehr gegeben ist und wir wesentlich "reichere" Schnittstellen zur Verfügung haben, die den Unterschied zwischen Anwendungsprogrammen und Websites immer mehr verwischen." Das vollständige Interview mit Prof. Dr. Heinrich Hußmann

"Potentiale sehe ich noch im Multimedia-Storytelling – etwa bei Audio-Slideshows oder intelligenten Kombinationen von Text, Bild, Audio und Video." Das vollständige Interview mit Prof. Dr. Klaus Meier

"Es ist notwendig, sich von manchem tradierten Geschäftsmodell zu verabschieden und sich mitunter radikal auf neue Wege zu begeben." Das vollständige Interview mit Thomas Mrazek

Web 2.0

Was genau soll Web 2.0 bedeuten? Einerseits beschreibt es den user-generated Content oder, mit anderen Worten, die aktive Teilnahme von Internetnutzern und den Austausch von Informationen zwischen diesen. Andererseits steht Web 2.0 für eine Kombination aus technischen Entwicklungen der 90er Jahre, die jetzt durch große Bandbreiten nutzbar werden: Beispiele hierfür sind Web-Service-APIs, AJAX , Abonnement-Dienste mit RSS sowie die sogenannte Social Software wie social bookmarking und folksonomies, Blogs und Wikis . Durch diese technischen Entwicklungen wurden die Voraussetzungen für neue Anwendungsformen wie Google AdSense, Wikipedia, Flickr, MySpace und YouTube geschaffen.

Wie ist der Begriff Web 2.0 entstanden?

Das Zerplatzen der New-Technology-Blase seit dem Jahr 2000 führte zu einer grundlegenden Veränderung beim Nutzen des WWW. Zunächst gingen diejenigen Online-Angebote unter, die wirtschaftlich nicht lebensfähig waren. Kreative ohne Kapital im Hintergrund entdeckten die Weblogs und gestalteten neuartige Communitys. Wikipedia, Flickr, YouTube entstanden.

Die Medienunternehmen beobachteten interessiert, wie User unbezahlt gemeinsam Content schufen. Der Begriff „Web 2.0“ wurde geboren während eines Brainstormings zwischen Dale Dougherty, Webpionier und Vizepräsident von O'Reilly, und Craig Cline von MediaLive International.

Web 2.0 und Journalismus

Das Internet ergänzt ältere Formen der Kommunikation. Wo früher ausschließlich Redaktionen darüber entschieden, welche Informationen der Öffentlichkeit angeboten wurden, können heute die Internet-User selbst aktiv und interaktiv an dem Informations- und Meinungsaustausch teilnehmen. Das gilt vor allem für die sogenannte Blogosphäre, also die Weblogs. Christoph Neuberger, Professor für Kommunikationswissenschaften und Journalistik an der Universität Münster, sagt im Interview mit Monika Surman:
„Kein anderes Medium erlaubt es den Anbietern, so flexibel auf Nutzererwartungen einzugehen. Allerdings liefern Nutzer den Redaktionen keine fertigen Baupläne, sondern nur Anregungen, die professionell interpretiert und umgesetzt werden müssen.“
Bisher galten die traditionellen Medien als Gatekeeper, die darüber entschieden, was publiziert wurde und was nicht.

Der user-generated Content des Web 2.0 führt zunehmend dazu, dass Journalisten von Gatekeepern zu Gatewatchern werden. Christoph Neuberger sieht die Zukunft des Journalismus in einer Art Navigatoren-Tätigkeit: die User beim Zurechtfinden, bei der Orientierung und beim Gestalten von Hypermedia zu unterstützen.

Was kommt nach Web 2.0?

Web 3.0 sei gekennzeichnet durch „die Emanzipation von Autor, Inhalt, Raum und Zeit durch die Trennung fester Bindungen und Bezüge“, schreibt Alexander Endl im Dr.-Web-Weblog. Seine Vision: Vor dem Bildschirm sitzt der mündige User, der seinen Content individuell zusammensetzt, unterstützt durch semantische Suchhilfen wie durch andere User. Dabei lässt sich das passgenaue Zuschneiden von Information vor allem werbetechnisch durch ausgefeiltes Data Mining nutzen. Eine weitere Schreckensvision: Mit dem Web 3.0 werde das Zwei-Klassen-Internet endgültig Wirklichkeit, die Zeit der kreativen Pioniere sei vorbei. Das Manager-Magazin bringt Web 3.0 auf den Punkt: „Aus E-Business wird (M)E-Business.“ Auf das Entwicklungspotenzial des spannendsten neuen Mediums seit Gutenberg darf man wirklich gespannt sein.

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