Interview mit einer Volontärin

»Es macht Spaß, dass ich die Theorie sofort umsetzen kann!«

Daniela Stahl war Volontärin beim BR. Seitdem arbeitet sie als Fernseh- und Radioredakteurin. In einem Interview, das sie 2006 während ihrer Volontariats-Zeit gab, berichtet sie über Anforderungen, Ausbildungsstationen und Praxisbezug.

Welche Erfahrungen haben Sie für die Volontariatsstelle mitgebracht?
Ein abgeschlossenes Hochschulstudium, diverse Praktika bei Hörfunk und Fernsehen, Praktika beim Bayerischen Rundfunk (für die Bewerbung Voraussetzung).

Welche Voraussetzungen muss man beim BR grundsätzlich erfüllen, um als Volontär in die engere Auswahl zu kommen? Gibt es eine Altersbegrenzung?
Laut Ausschreibung des BR die folgenden:

  • Hochschulstudium, abgeschlossen bis zum Beginn des Volontariats oder gleichzuwertende Ausbildung
  • Erfolgreich absolvierte Praktika/Hospitanzen, vorzugsweise beim BR
  • Kenntnisse von Land und Leuten Bayerns
  • Altersgrenze: 30 Jahre bei Beginn der Ausbildung

Welche Ausbildungsstationen haben Sie während des Volontariats schon absolviert, welche stehen noch bevor?

Wir haben bereits unterschiedliche Stationen in Hörfunk und Fernsehen absolviert. Beim Hörfunk waren das zum Beispiel Seminare zu Recherche, Interviewführung, Nachrichten, Reportagen und Moderation bis hin zu ganz praktischen Projekten wie dem Stadtradio Nürnberg, bei dem wir mit Volontären und Hospitanten anderer Sender zusammen eine Woche Programm (täglich vier Stunden) gestaltet haben. Ähnlich war auch unser Projekt »August«: hier durften wir vier Wochen lang täglich ein einstündiges Sommermagazin gestalten und lernten dabei alle Arbeitsbereiche und Aufgabenverteilungen kennen, die zum Redaktionsalltag dazugehören: Vom Planer bis zum Chef vom Dienst, vom Reporter über den Producer bis zum Moderator. Neben diesen Projekten und Seminaren, die uns das journalistischen »Handwerk« beibringen sollten, hatten wir aber auch Seminare zum politischen Bayern, zu juristischen Problemen und zu spezielleren Feldern wie der Gerichtsberichterstattung.
Auch beim Fernsehen wechseln sich Theorie und Praxis ab: Die Seminare zur Bildgestaltung, Szenischem Gestalten oder der Glosse waren immer mit praktischen Übungen verbunden. Außerdem konnten wir auch eine eigene Magazinsendung entwerfen, vom Konzept bis zur Bühnengestaltung und Moderation. In den kommenden sechs Monaten stehen uns jetzt noch ein Online-Seminar bevor, ein Seminar zur Fernsehreportage und eine Schulung im Video-Journalismus. Außerdem fahren wir zusammen noch nach Berlin und Brüssel, wo wir uns die Arbeit der Korrespondenten sowie die politische Landschaft unter journalistischen Gesichtspunkten anschauen. Die letzten drei Monate verbringen wir dann quer im Haus verteilt in verschiedenen Redaktionen.

Durchlaufen alle Volontäre grundsätzlich die gleichen Stationen?
Grundsätzlich durchlaufen alle Volontäre in einem gemeinsamen Kurs die gleichen theoretischen Stationen und Seminare. Während unserer Redaktionsmonate sind wir aber im ganzen Haus (Hörfunk und Fernsehen) verteilt. Hier kann jeder Volontär (neben verschiedenen Pflichtstationen) selbst Schwerpunkte setzen und entscheiden, ob die Stationen zum Beispiel mehr im Hörfunk oder beim Fernsehen absolviert werden und in welchen Bereichen, also eher Aktuelles oder Magazin, Boulevard oder Wissenschaft.

Welche Erfolgserlebnisse hatten Sie bisher während Ihres Volontariats?
Erfolgserlebnisse hat man eigentlich sehr viele. Vor allem bei den Projekten wie dem Stadtradio oder der Magazinsendung konnte man sich vorher und währenddessen oft nicht vorstellen, dass aus den theoretischen Ansprüchen und dem manchmal fast hilflosen Chaos dann doch am Ende immer wieder etwas herauskam, was zum eigenen Erstaunen auch gar nicht so schlecht war.
Oder wenn man nach einem Seminar die eigene Entwicklung sieht: vor dem Moderationsseminar fragt man sich, ob man vor dem Mikro überhaupt einen Ton rausbekommt und dann will man gar nicht mehr aufhören. Oder man hat es sich bisher nicht zugetraut, eine Hörfunkreportage zu machen und kann sich nach dem Seminar gar nicht mehr vorstellen, bei bestimmten Themen etwas anderes zu machen.

Was macht Ihnen an der Arbeit als Volontär besonders viel Spaß?
Mir macht besonders viel Spaß,

  • dass ich mich auf einer Art Spielwiese in einem geschützten Umfeld ausprobieren darf, wo auch etwas daneben gehen kann.
  • dass ich meine eigenen Fähigkeiten und Schwerpunkte entdecken kann und das ohne einen stressigen Redaktionsalltag im Nacken.
  • dass ich Einblicke in die verschiedensten Arbeitsweisen, Redaktionen und Abläufe bekomme.
  • dass ich alle Theorie sofort umsetzen kann, sei es in den praktischen Seminarteilen oder während der Redaktionsaufenthalte.
  • und dass bei allem Stress in den Seminaren und Übungen die gute Stimmung in unserem Kurs und auch die Faszination am Journalismus erhalten bleibt.

In welchen Bereichen kann man nach dem Volontariat arbeiten?
Eigentlich fühlt man sich, soweit ich das nach zwei Dritteln Volontariat beurteilen kann, ganz gut auf alle Bereiche des Hörfunk- und Fernsehjournalismus vorbereitet. Wir hoffen alle, dass das auch unsere späteren Arbeitgeber so sehen.

Frau Stahl, vielen Dank für das Interview!