Nachrichtenteam

Vom Senden und Schneiden

Das Aufgabenfeld des Fernseh-Journalisten ist komplex, denn er ist nicht nur für den Inhalt seines Berichts zuständig. Neben der Recherche und dem Texten muss er seine Filmbeiträge drehen, vertonen und auch schneiden können.

Anforderung

Fernseh-Journalisten kennen alle technischen und dramaturgischen Ausgestaltungsmöglichkeiten, welche Kamera, Ton, Schnitt, Text, Musik und Grafiken bieten. Die zu transportierenden Informationen werden dabei verstärkt auf der Bild- und Tonebene verarbeitet und weniger im gesprochenen Text.

Arbeitsumfeld

Festanstellungen bieten in erster Linie die öffentlich-rechtlichen und die privaten Fernsehsender. Alternativ sind Fernseh-Journalisten als freie Mitarbeiter unterwegs und/oder arbeiten beim zukunftsträchtigen Internetfernsehen.

Im Kapitel »Im Team arbeiten bei Sendung und Studio-Produktion« finden Sie eine genaue Beschreibung der Aufgaben der einzelnen Teammitglieder in einem Fernsehstudio – vom Regisseur über den Tontechniker und den Insert-Assistenten bis zum Aufnahmeleiter.

Als Beispiel für die Praxis der redaktionellen Arbeit beschreiben wir hier den alltäglichen Ablauf in einer Nachrichtenredaktion. Wir stellen die Funktionen vor, in denen Journalisten und organisatorisch Verantwortliche an der Vorbereitung und Umsetzung der Sendung direkt beim Sender und extern beteiligt sein können.

Ablauf und Aufgabenteilung

Der Arbeitstag in einer Redaktion ist klar gegliedert. Mehrere Redaktionskonferenzen strukturieren den Tagesablauf – für Nachrichtensendungen am Abend gibt es zum Beispiel eine Konferenz am Morgen, eine um die Mittagszeit und eine letzte Konferenz am Nachmittag. Der Chef vom Dienst oder der Chefredakteur leitet diese Konferenzen, die Nachrichtenredakteure stellen die ausgewählten Themen nach der ersten Recherche vor und erstellen die Beiträge. In einem Ablaufplan werden alle für die Sendung wichtigen Informationen festgehalten. Die organisatorische Umsetzung liegt meistens in den Händen eines Planungsredakteurs für die redaktionellen Fragen und eines Producers für die technisch-organisatorischen Fragen. In Zusammenarbeit mit den Korrespondenten im In- und Ausland, freien Reportern, Bildredakteuren und Wetterredakteuren entsteht unter der inhaltlichen Leitung des Chefs vom Dienst schließlich der komplette Ablauf der Nachrichtensendung. Je nach Größe und Format der Redaktion sind Moderatoren, Sprecher und bei großen Redaktionen Moderationsredakteure für die Moderation der Sendung zuständig.

Beim Chef vom Dienst laufen alle Fäden zusammen. Er fragt auf den Redaktionskonferenzen die Themen ab, wählt die zu bearbeitenden Themen aus und plant den inhaltlichen Ablauf der Sendung. In Abstimmung mit den Teilnehmern der Redaktionskonferenzen entscheidet er über die Reihenfolge und Länge der Beiträge. Er ist außerdem für die Abnahme und die letzte Kontrolle von Texten und Filmen zuständig. Der Chef vom Dienst steuert also maßgeblich Inhalt und Form der Sendung. Diese Position hat meistens ein erfahrener Nachrichtenredakteur inne. Der Chef vom Dienst ist als journalistischer Leiter der Sendung während der Sendung in der Senderegie vertreten. In dieser Funktion wird der Verantwortliche auch Ablaufredakteur genannt.

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Der Chefredakteur trägt die Verantwortung für den Inhalt und die Grundausrichtung der Sendung und hat bei strittigen Fragen das letzte Wort. Er vertritt die Sendung nach außen. Abgesehen vom Tagesgeschäft ist er verantwortlich für die Weiterentwicklung des Formats.

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Der Planungsredakteur oder Planer sorgt bei der Planung der Sendung dafür, dass alle Themen abgedeckt werden. Er erstellt eine Vorschau mit den Terminen des Tages und koordiniert die zuständigen Redakteure und Korrespondenten. Außerdem organisiert er die Kontakte zu den gewünschten Interview-Partnern. Auch die langfristige Vorbereitung von Themen, die vorhersehbar und planbar sind, liegt in seiner Verantwortung. Dazu gehört zum Beispiel die Vorbereitung der Berichterstattung über das Weihnachtsfest oder das Oktoberfest in München.

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Häufig wird der Planungsredakteur von einem Producer unterstützt. Dieser organisiert die Nachrichten-Produktion und die dafür notwendigen Produktionsmittel. Wichtige Voraussetzung für seine Arbeit sind Organisationstalent und technisches Verständnis. Außerdem muss er die Arbeit der Redakteure und die Struktur der betreffenden Sendung genau kennen. Zu seinen Aufgaben gehören zum Beispiel die Buchung von Satelliten-Leitungen und die Organisation der Reise von Reportern und Kamerateams.

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Die Nachrichtenredakteure lesen und arbeiten sich in die Themen des Tages ein. Basis für die Berichterstattung sind Meldungen von Nachrichtenagenturen aus der ganzen Welt, Archivmaterial und gegebenenfalls auch Informationen von Auslandskorrespondenten. Bei den Redaktionskonferenzen machen die Nachrichtenredakteure Themenvorschläge. Anschließend recherchieren sie Hintergründe und schreiben Texte zu den ausgewählten Themen. Nach dem Sichten des vorhandenen Bildmaterials schneiden und vertonen sie ihren Beitrag. Es entsteht zunächst ein Rohschnitt, aus dem ein Cutter schließlich eine Endversion erstellt. Anders als bei der Zeitung sind Redakteure bei Nachrichtensendungen im Fernsehen meistens nicht auf ein Ressort beziehungsweise Fachgebiet festgelegt, sondern bearbeiten je nach Tagesschicht unterschiedliche Themen.

In einigen Redaktionen kümmern sich die Redakteure auch um die grafische Veranschaulichung der Themen. Bei großen Redaktionen ist dafür ein Bildredakteur zuständig, der den Kontakt zur Grafik-Abteilung koordiniert.

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Die Korrespondenten im Inland schlagen je nach Sendung Themen vor oder bearbeiten Themen, die die Redaktion in Auftrag gibt. Nach der Recherche von Hintergründen und dem Sichten von Archivmaterial drehen sie die geplanten Beiträge vor Ort. Bei privaten Sendern gibt es aus Kostengründen wesentlich weniger Landesstudios als bei öffentlich-rechtlichen Sendern. Beiträge aus Deutschland werden daher von privaten Sendern oft bei unabhängigen Produktionsfirmen in Auftrag gegeben.

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Die Korrespondenten im Ausland drehen Beiträge im jeweiligen Gastland. Im Hotel wird das Zimmer nach dem Dreh in ein Studio verwandelt, in dem geschnitten, getextet und synchronisiert wird. Die fertigen Beiträge werden über eine Satellitenabspielstation nach Deutschland überspielt. Teilweise können die Auslandskorrespondenten auch auf Fernsehbilder von Sendern im Gastland zurückgreifen. Wichtig ist für ihre Arbeit, dass sie gute Kontakte zu Informanten vor Ort haben, die vorrecherchieren und den jeweiligen Dreh vorbereiten. Das hängt damit zusammen, dass ein Auslandskorrespondent meistens für mehrere Länder zuständig ist.

Je nach Anforderung der Redaktion liefern die Korrespondenten im In- und Ausland komplette Korrespondenten-Beiträge mit Text und Schnitt oder nur Bildmaterial, das dann in der Redaktion noch betextet wird.

Nähere Informationen zu den Aufgaben von Auslandskorrespondenten bietet der Titel »Auslandskorrespondent/in für Presse, Radio, Fernsehen und Nachrichtenagenturen« von Martin Wagner, ebenfalls Teil der gelben Reihe zur journalistischen Praxis.
Journalistische Praxis: Auslandskorrespondent/in

Bei überregionalen Hauptnachrichten-Sendungen gibt es häufig Moderationsredakteure, die Hintergründe recherchieren, Fakten überprüfen und die Informationen für die Arbeit der Moderatoren in Dossiers aufbereiten. Sie sorgen dafür, dass keine Diskrepanzen und Doppelungen zwischen Beitrag und Moderation bestehen. Außerdem stehen sie in Kontakt mit den Korrespondenten und bereiten Interviews vor. Durch ihre Abstimmungen zwischen Produktion und Moderation soll ein reibungsloser Ablauf der Moderation gewährleistet werden.

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Die Moderation in der Sendung ist das Ergebnis der täglichen Arbeit des Moderators. Zunächst muss sich der Moderator einlesen, an den Redaktionskonferenzen teilnehmen und Gespräche mit den Autoren von Beiträgen führen. Es ist wichtig, dass der Moderator in die Redaktionsabläufe eingebunden wird und eigene Ideen und Vorschläge in die Sendung einbringen kann, da er die Inhalte der Sendung an die Zuschauer vermittelt. Je nach Größe der Redaktion werden die Dossiers zu den Themen für den Moderator von einem Moderationsredakteur aufbereitet und die Interviews vorbereitet. Bei kleineren Redaktionen ist er selbst für diese Aufgaben zuständig. Abschließend schreibt er auf der Grundlage der ihm vorliegenden Informationen und der gesichteten Filme die Moderationen. Die gewählte Sprache ist wertneutral und präzise, kann aber auch lockerer, eventuell sogar umgangssprachlich sein. Auch Sprecher schreiben ihre Meldungen selbst, allerdings ist der Stil ihrer Texte wesentlich nüchterner und distanzierter als bei den Moderatoren.

Wetterredakteure schreiben die Texte für die Wetterberichte und die zugehörige Moderation, bestimmen die Länge der Filme und synchronisieren Bild und Text. Abschließend moderieren sie in der Sendung den Wetterbericht. Grundlagen für die Arbeit der Wetterredakteure sind die Wetterprognosen der Meteorologen, die diese auf der Basis der Daten von Messstationen und Computerberechnungen erstellen, sowie die Bilder der Grafiker.

Ausführliche Informationen über die formalen Elemente von Nachrichtensendungen, die Auswahl und Platzierung von Themen und über Nachrichtenmagazine finden Sie in den Kapiteln »Nachrichtensendungen«, »Wie eine Nachrichtensendung gebaut wird« und »Nachrichtenmagazin und Newsshow«.

Quellen:

Multimedia-Einblick hinter die Kulissen der Tagesschau

Kloeppel, Peter, Die Redaktion: Der Alltag einer gehetzten Meute, in: Faszination TV-Journalismus, Nürnberg 2004