Bildaufbau

(Roland Freyberger)

Im Lehrbuch »Fernseh-Journalismus« stellt Roland Freyberger wichtige Regeln für den Bildaufbau dar, vor allem zu Flächenaufteilung, Darstellung von Personengruppen und Kontinuität von Blick- und Bewegungsrichtung.

In »Online plus« gibt er ergänzende Hinweise zur Auflösung von Dialogszenen:
Die Regeln über richtige Kamerapositionen werden noch subtiler, wenn zwei Kameras je einen Dialogpartner einfangen und durch den Wechsel von einer Kamera zur anderen der Eindruck eines engen persönlichen Kontaktes der beiden Personen erweckt werden soll.

Gleiche Blickwinkel. Die beiden Kameras müssen bei der optischen Auflösung einer Dialogszene nicht nur auf einer Seite der Blickrichtungslinie stehen, sondern die Winkel, welche die optischen Achsen der Kameras mit der Blickrichtungslinie bilden, müssen gleich groß sein. Nur dadurch ergeben sich korrespondierende Bildeinstellungen, die eine Zuwendung der Dialogpartner auch in der optischen Einzelauflösung wirklichkeitsgetreu wiedergeben.

Bild: Gleiche Blickwinkel

Die Abbildung »Kameraaufstellung mit falschen Blickwinkeln« zeigt ein Beispiel für eine Kameraeinstellung mit falschen Blickwinkeln. Hier wird bei einem Wechsel der Bilder von Kamera 1 auf Kamera 2 (und umgekehrt) dem Zuschauer keineswegs der Eindruck vermittelt, dass die Personen miteinander sprechen. Er stellt vielmehr fest, dass die beiden Gesprächspartner aneinander vorbeisehen und womöglich auch vorbeireden.

Bild: Falsche Blickwinkel

Gleiche Größe der abgebildeten Personen fordert die zweite Regel. Der gleiche Abbildungsmaßstab erlaubt einen unauffälligen Bildwechsel, der den Gesprächsfluss nicht durch optische Unebenheiten behindert.

Bild: Gleiche Größe

Die gleiche Perspektive wird außerdem noch von den beiden Kameras gefordert. Man erreicht sie durch gleiche Brennweiten und gleiche Abstände von den Dialogpartnern.

Bild: Gleiche perspektive

Diese Regeln über Kamerapositionen zeigen, dass der technischen Möglichkeit nichttechnische Grenzen gesetzt sind, Einschränkungen also, die publikumsbezogen sind, weil eine Missachtung das Verständnis einer Information beeinträchtigen würde.
Sie wurden vor allem vom Film für die Kameraarbeit entwickelt und geprägt.

Quelle: Fernseh-Journalismus, 8. Auflage (»Online plus«)
© Ullstein Buchverlage GmbH / Econ Verlag, Berlin 2011,
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