Filmplan, Storyboard, Drehbuch, Produktionsplan

(Gerhard Schult/Sandro Viroli/Axel Buchholz)

Was sich hinter diesen Begriffen verbirgt und wie diese Gestaltungshilfen zu nutzen sind, beschreiben Gerhard Schult, Sandro Viroli und Axel Buchholz unter dem gleichnamigen Titel im Lehrbuch »Fernseh-Journalismus«. In »Online plus« geben sie ein Beispiel für die Darstellung eines Ereignisses in Storyboards und bieten eine Übungsaufgabe dazu an.

Storyboards als Beispiel, gezeichnet von der Filmemacherin und früheren Kamerafrau Beate Erdmann. Sie zeigen wesentliche Kameraeinstellungen, mit denen das Schleusen eines Schiffes bildlich umgesetzt wird.


Das erste Bild stellt die Gesamtsituation und die Möglichkeiten für Kamerapositionen dar. Pos.(ition) 1 eignet sich eher für Totalen (Tot.), die Positionen 2 und 3 für Details.
Alle Kamerapositionen müssen sich an einem Ufer befinden, um einen »Achs(en)sprung« zu vermeiden (vgl. »Die Bilder mit der Kamera einfangen«.

Das nächste Bild zeigt als Storyboards neun Einstellungen von der Schleuse und dem Schleusen. Manche sind abgekürzt bezeichnet: N = nah; HT = halbtotal; HN = halbnah.

Die Einstellungen sind so aneinandergereiht, wie sie auch gedreht werden könnten:

  • zunächst »ablauf-unabhängige« Bilder (Signal springt von rot auf grün oder Idylle) und
  • anschließend Einstellungen vom Schleusen.

Haben Sie sich die einzelnen Bilder genau angeschaut? Welche Bild-Aussage hat jedes einzelne von ihnen? Und welche Aussage ergibt sich aus der Abfolge der einzelnen Bilder insgesamt? Sie sagen, keine sinnvolle? Kein Wunder, sie folgen ja einfach so aufeinander, wie sie gedreht wurden.
Für die Bild-Aussage »Ein Schiff wird geschleust« müssen sie beim Schnitt (vgl. »Bildschnitt« und »Als VJ selber schneiden«) in eine sinnvolle Reihenfolge gebracht werden.

Für eine kleine praktische Übung können Sie diese Storyboards so verwenden:

  • alle neun Bilder zwei Mal kopieren,
  • Bilder dann einzeln ausschneiden und
  • jedes Bild noch einmal genau auf die jeweilige Bild-Aussage hin ansehen.

Die Aufgabe lautet jetzt: Reihen Sie die Storyboards so aneinander, dass sie zeigen, wie das Schiff geschleust wird. Mit der Bild-Sequenz wollen Sie also die Aussage erreichen: »Ein Schiff wird geschleust«. Bitte lesen Sie erst weiter, wenn Sie ihre Bildfolge erarbeitet haben.

Fertig? Jetzt können Sie ihre Bild-Abfolge mit dem Vorschlag von Sandro Viroli, Redakteur beim Mitteldeutschen Rundfunk, vergleichen.

Totale, Kameraposition 1, Ortsbeschreibung: Schiff fährt zur Schleuse, Schleusenwärter begibt sich zur Kaimauer.
Groß, könnte auch halbnah sein, Kameraposition 1, Zwischenschnitt, Signal springt von rot auf grün. Gang des Schleusenwärters und die Einfahrt des Schiffs in die Schleusenkammer wird dadurch gekürzt.
Halbtotale, Kameraposition 2, Schleusenwärter steht jetzt an der Kaimauer und wartet auf das Tau.
Halbnah, Kameraposition 2 (Umdrehen zum hinteren Schleusentor), Schließen des Schleusentors (nicht ganze Aktion).
Halbtotale: Kameraposition 2, Matrose wirft das Tau zum Schleusenwärter hoch.
Halbnah, Kameraposition 2, Schleusenwärter macht das Schiff am Poller fest.
Nah, Kameraposition 2 oder 3, Detail, Veränderung des Wasserstands an Markierung, um den gesamten zeitaufwendigen Vorgang »bildlich« zu verkürzen.
Supertotale, Kameraposition 1, Abschluß des Schleusens, Schiff fährt aus der Schleusenkammer.
Halbtotale, »Idylle«, steht mit dem Vorgang des Schleusens in keinem Zusammenhang. Man sollte ihn deshalb »bildlich« herstellen; z._B. durch einen Schwenk von der Schleuse zur »Idylle«.

Vergleichen Sie jetzt bitte Ihre Bild-Abfolge mit der von Sandro Viroli. Legen Sie dazu links die Stroryboards in der Viroli-Reihenfolge untereinander und rechts daneben in Ihrer. Worin stimmen Sie überein? Was schlägt er anders vor als Sie es gemacht haben?
Versuchen Sie herauszufinden, welche unterschiedlichen Überlegungen Sie dabei hatten – und welche wohl die gewünschte Aussage »Ein Schiff wird geschleust« besser vermitteln. Dabei ist klar: Es gibt bestimmt nicht nur eine Möglichkeit, die Sinn macht.

Quelle: Fernseh-Journalismus, 8. Auflage („Online plus“)
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