Welche Chancen die Fernseh-Landschaft bietet

(Axel Buchholz)

Wo kann ich mich bewerben, wenn ich zum Fernsehen will?
Welche Sender setzen mehr auf Journalismus, welche mehr auf Unterhaltung?
Wenn die Hürden bei den bekannten Fernsehprogrammen zu hoch sind, wo kann ich dann den Sprung ins Medium versuchen?
Bereits bei den allerersten Schritten ins Fernsehen ist der im Vorteil, der Antworten auf diese Fragen weiß. Wer für das Fernsehen arbeiten will, sollte sich deshalb vorher über die »Fernseh-Landschaft« in Deutschland informieren, sollte also die Rahmenbedingungen kennen, unter denen er seinen zukünftigen Beruf ausüben wird.
Auf verschiedenen technischen Wegen, die häufig miteinander kombiniert sind, erreichen Fernsehprogramme ihre Zuschauer:

  • analog (über Sender auf der Erde),
  • terrestrisch digital (DVB-T),
  • per Kabel,
  • über Satellit,
  • über Internet (IP-TV) und
  • über Handy (wenn sich durchsetzt, was technisch möglich ist).

Die auf den ersten Blick verwirrende Programmvielfalt lässt sich gut entwirren, wenn man die Programme nach folgenden Kriterien ordnet:

  • Organisationsform,
  • Programmformat,
  • Verbreitungsgebiet und
  • Finanzierung.

Öffentlich-rechtlich oder privat sind die beiden rechtlichen Organisationsformen. Weil es sie in Deutschland nebeneinander gibt, spricht man vom »dualen System«. Es ist ein Nebeneinander, das von Konkurrenz bestimmt ist. Für Öffentlich-Rechtliche und Private gleichzeitig arbeiten können deshalb allenfalls Top-Stars des Mediums. Aber von einem System ins andere wechseln, das ist nicht selten. Es gibt viele öffentlich-rechtliche Fernsehleute, die beim Privatfernsehen angefangen haben. Der umgekehrte Weg ist selten.
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist kein Staatsrundfunk und kein Kommerzfunk. Er ist so organisiert, dass er von Staat und Wirtschaft unabhängig sein soll. Seinen in den Rundfunkgesetzen und Staatsverträgen festgelegten Auftrag hat er im Dienst der gesamten Gesellschaft zu erfüllen.
Das entscheidende Gremium einer ö.-r. Rundfunkanstalt ist der Rundfunkrat (ZDF: Fernsehrat). Er setzt sich aus Vertretern gesellschaftlich relevanter Gruppen zusammen. Wer diese Gruppen sind, die jeweils einen Vertreter in den Rundfunkrat entsenden dürfen, wird gesetzlich, also durch Politiker-Entscheidung, festgelegt – von Land zu Land etwas unterschiedlich und hier und da von Zeit zu Zeit wieder neu (oft nach Regierungswechseln).
In den Rundfunkräten sind alle großen Organisationen wie Kirchen, Gewerkschaften, Kammern und zum Beispiel die Verbände von Arbeitgebern, Frauen, Umweltschutz, Journalisten und Schriftstellern vertreten. Auch Politiker sitzen in unterschiedlicher Anzahl in den Rundfunkräten, meist als Vertreter der Landtagsfraktionen.1
Die entscheidenden Rechte der Rundfunkräte sind:

  • Sie wählen den Intendanten.
  • Sie entscheiden über den Haushalt.
  • Sie sind in den grundsätzlichen Fragen der Programmgestaltung zuständig.
  • Sie können Haushaltsführung und Programmentscheidungen rügen.
  • Sie können einen Intendanten als letzte Konsequenz auch abwählen.

Neben dem Rundfunkrat gibt es als weiteres Gremium den Verwaltungsrat, der die laufende Geschäftsführung kontrolliert und meist auch zustimmen muss, wenn der Intendant leitende Mitarbeiter einstellen will.
Bestimmte Aufgaben der Gremien werden in Ausschüssen vorgeklärt, Programmfragen z.B. im Programmbeirat (ZDF: Fernsehrat).
Tipp: Rundfunkratssitzungen sind in der Regel öffentlich. Gehen Sie ruhig mal hin. Die Termine erfahren Sie von den Pressestellen der Sender.
Die Rundfunkgebühren sind die wesentliche Einnahmequelle des ö.-r. Rundfunks. Über die Höhe entscheiden die Länder nach einem Vorschlag der unabhängigen »Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF)«. Sie legen die Gebühr in einem Staatsvertrag fest, dem alle Länderparlamente zustimmen müssen, ehe er in Kraft treten kann. Weitere Etatmittel (sog. Mischfinanzierung) bekommen die Anstalten aus Werbeeinnahmen und Sponsoring.
Staatsfrei aber nicht politikfrei sind die ö.-r. Rundfunkanstalten. Für (partei)politische Einflussversuche gibt es mehrere Einfallstore, vor allem:

  • die Festlegung der Gebühren,
  • die Zusammensetzung der Rundfunkräte,
  • die Beeinflussung von deren Arbeit und Entscheidungen,
  • die Zustimmungsrechte von Rundfunkräten/Verwaltungsräten bei der Einstellung leitender Mitarbeiter.

Öffentlich-rechtlicher Rundfunk ist Länderrundfunk (wie der private auch), da Rundfunk als Teil der Kulturhoheit Ländersache ist. Zur länderübergreifenden Regelung der wesentlichen Fragen der Rundfunk-Ordnung haben die Länder einen Rundfunkstaatsvertrag abgeschlossen, der regelmäßig durch Änderungsgesetze aktualisiert wird. Diese föderalistische Struktur geht auf die Einflüsse der britischen und amerikanischen Besatzungsmächte in der Zeit vor der Gründung der Bundesrepublik zurück.2
Es gibt neun öffentlich-rechtliche Länder-Rundfunkanstalten; einige davon sind Mehrländeranstalten (vgl. »Anschriften«).
Die ARD (»Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten Deutschlands«) ist die Dachorganisation dieser Rundfunkanstalten sowie des Deutschlandsfunks und der Deutschen Welle (mit eigenem Fernsehprogramm). Unter www.ard.de findet sich auch eine »Chronik der ARD« und ein »ABC der ARD«.
Der erste regelmäßige Fernseh-Programmdienst der Welt machte die Berliner zu Fernseh-Pionieren. Am 22. März 1935 eröffnete der »Paul-Nipkow-Fernsehsender Berlin« sein Programm, das wie ein Schock auf die Bevölkerung wirkte. Kurt Krüger-Lorenzen (»erster Fernsehreporter der Welt«) berichtet3, dass das Fernsehen »sofort zum Stein des Anstoßes, zum öffentlichen Ärgernis« wurde. Es war allein die Technik, die die Zuschauer misstrauisch machte. Viele von ihnen glaubten, dass die »Nipkows« (wie die ersten Fernsehleute genannt wurden) mit ihrem »Teufelsauge« durch die Wände in die Wohnstuben sehen könnten. Gegen die »Briefflut voller Bestürzung und Empörung« kämpfte man auf Rundfunkausstellungen und Messen u.a. mit einem Plakat, das versicherte: »Wir können nicht durch die Wände sehen!«
Das Erste ist das gemeinschaftliche Fernseh-Programm der ARD-Anstalten. Außerdem produzieren sie allein oder im Verbund mit anderen die »Dritten«, d.h. Regional-Programme wie z.B. das Bayerische Fernsehen oder das MDR Fernsehen (für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen).
Am 12. Juni 1953 unterzeichneten die sechs Gründungsmitglieder der ARD den »Fernsehvertrag«, mit dem sie das erste gemeinsame Fernsehprogramm von zwei Stunden täglich beschlossen. Dieser Vertrag ist auch heute noch eine der Rechtsgrundlagen des Ersten, dessen Programm von den Landesrundfunkanstalten mit Pflichtbeiträgen (unterschiedlich je nach Größe) bestritten wird. Es war vom 1. November 1954 an bundesweit zu empfangen.
Wer fürs Erste arbeitet, ist also in der Regel bei einer der zuliefernden Landesrundfunkanstalten tätig. Die inzwischen klassische Fernseh-Nachrichtensendung »Tagesschau« übrigens wurde erst zwei Jahre später (vom 1. Oktober 1956 an) regelmäßig ausgestrahlt – aber nur an Werktagen. »Tagesschau« und »Tagesthemen« werden vom NDR für die ARD produziert.
Das Zweite Deutsche Fernsehen (Mainz) begann seinen Sendebetrieb am 1. April 1963 auf der Grundlage eines Staatsvertrages zwischen den Bundesländern. Es ist also eine von allen Ländern gemeinsam getragene nationale Rundfunkanstalt. Die gesellschaftlich relevanten Gruppen werden beim ZDF durch den Fernsehrat repräsentiert. Das ZDF sendet ein einheitliches Programm für die Bundesrepublik. In den Bundesländern gibt es Studios, die regionale Berichte zuliefern.
ARD und ZDF betreiben weitere Programme allein, gemeinsam oder zusammen mit Dritten. Die Inhalte werden zum überwiegenden Teil zugeliefert, also in ARD-Sendern oder beim ZDF produziert. Zusätzlich entstehen aber auch Sendungen am Sitz dieser Programme. Und damit gibt es auch dort journalistische Arbeitsplätze.
3sat (seit 1984) ist ein deutschsprachiges Kultur- und Informationsprogramm, das über Satellit ausgestrahlt wird. Es wird gemeinsam von ARD, ORF, SRG und dem ZDF veranstaltet. Die Federführung hat der SWR.
Arte sendet seit dem 30.5.1992 ein europäisches Kulturprogramm. Der Sender wird auf deutscher Seite von ARD und ZDF getragen (Arte Deutschland, Sitz: Baden-Baden) und auf französischer Seite von der Arte France, Sitz: Straßburg). Weitere europäische Sender kooperieren mit Arte.
Kinderkanal (KI.KA) und Ereigniskanal »Phoenix« sind die ersten (gemeinsamen)
Digitalprogramme von ARD und ZDF. Der Kinderkanal (Sitz: Erfurt) sendet seit 1.1.1997, der Ereignis- und Dokumentationskanal »Phoenix« (Sitz: Köln/Bonn) seit 7.4.1997.
ARD Digital und ZDF.vision sind die Namen der Programm-»Bouquets«, in denen ARD und ZDF seit der Internationalen Funkausstellung 1997 verschiedene digitale Programme anbieten. Sie wiederholen darin entweder zeitversetzt einzelne Sendungen des jeweiligen Hauptprogramms oder bieten in Spartenprogrammen Informations- oder Kultursendungen an.

Die ersten privaten Fernsehprogramme in Deutschland waren RTL plus und SAT.1. Seit Januar 1984 wurde RTL plus zunächst über einen Sender in Luxemburg in die benachbarten Teile von Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland terrestrisch ausgestrahlt. In Deutschland war Privatfernsehen noch nicht zugelassen.
Die Privaten sind Wirtschaftsunternehmen, die Gewinne erzielen sollen. Dabei müssen sie Rahmenbedingungen einhalten, die durch Gesetze und Staatsverträge, durch die Landesmedienanstalten und die Verfassungsgerichte gesetzt sind. Das Privatfernsehen hat die Fernseh-Landschaft seit 1985 nachhaltig verändert. Die Geschwindigkeit war rasant, mit der Privatsender entstanden – und teilweise auch wieder eingestellt wurden oder unter neuem Namen mit anderem Programm und anderen Geldgebern weitermachten. Anfang 2006 gab es mit einer deutschen Lizenz zur Programmverbreitung und überwiegend in deutscher Sprache knapp 40 frei empfangbare Programme (Free-TV) und etwas mehr als 50 Bezahl-Programme (Pay-TV).
Organisiert sind die Privatsender in der »Arbeitsgemeinschaft Privater Rundfunk« (APR) und dem »Verband Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT)« (vgl. »Anschriften«). Dort bekommt man auch Auskunft über einzelne Privatsender. Über die wirtschaftlichen Verflechtungen informiert regelmäßig die Fachzeitschrift Media Perspektiven (hrsg. vom HR und der ARD-Werbung, Frankfurt am Main, www.mediaperspektiven.de).
Der deutsche Privatfernsehmarkt wird von zwei Gruppen dominiert:
RTL, bis Herbst 1992 RTL plus, (Sitz: Köln), ist der reichweitenstärkste und wirtschaftlich erfolgreichste Privatsender. Er gilt als der »öffentlich-rechtlichste« unter den Privaten. RTL ist der Hauptsender der »RTL Group«, die zum Bertelsmann-Konzern gehört. Weitere deutsche Sender der Gruppe (mit unterschiedlichen Beteiligungsverhältnissen) sind RTL II, Super RTL, VOX und n-tv. Zur Gruppe gehören auch diverse Produktionsfirmen (vgl. weiter unten).
SAT.1 war das erste in der Bundesrepublik veranstaltete private Satellitenprogramm.
Es begann seinen Sendebetrieb am 1.1.1985 im Kabelpilotprojekt Ludwigshafen. Wegen der ursprünglichen Beteiligung von rund 160 Zeitungsverlegern anfangs das Verleger-Fernsehen genannt, musste sich SAT.1 nach einem guten Start später deutlich und auf Dauer von RTL auf den zweiten Platz verweisen lassen.
SAT.1 gehört zur Pro Sieben SAT.1 Media AG. Weitere Sender der Gruppe sind u.a.: ProSieben, Kabel eins und N24.
Landesmedienanstalten (mit von Land zu Land anderen Bezeichnungen) ist der Oberbegriff für die öffentlich-rechtlich organisierten Einrichtungen zur Aufsicht über den Privatfunk. Sie selbst werden von Gremien kontrolliert, die sich aus Vertretern der gesellschaftlich relevanten Gruppen zusammensetzen und den Rundfunk- und Fernsehräten der öffentlich-rechtlichen Sender ähnlich sind. Die Landesmedienanstalten (vgl. »Anschriften«) entscheiden über die Zulassung von privaten Rundfunkveranstaltern, bestimmen Richtlinien für deren Arbeit und wachen über die Einhaltung.
Die Offenen Kanäle sind Einrichtungen der Landesmedienanstalten (vgl. weiter unten).
Die Geschichte des bundesdeutschen Fernsehens beginnt in einem Betonbunker auf dem Heiligengeistfeld in Hamburg. Am 27. November 1950 nimmt der NWDR (Nordwestdeutscher Rundfunk, später aufgeteilt in NDR, WDR und SFB) den Versuchsbetrieb auf. Zuschauer vor rund 40 Fernsehgeräten in Hamburg, alle zwei Tage etwa zwei Stunden Programm – so die Notizen des Fernseh-Publizisten Dr. Kurt Wagenführ über die erste Zeit: »Es war kalt in dem Bunker, und die Wände sonderten Feuchtigkeit ab.«
Mit diesem Versuchsprogramm war der öffentlich-rechtliche Rundfunk in der Bundesrepublik trotz aller Nachkriegsprobleme zahlreichen westeuropäischen und allen osteuropäischen Ländern voraus. Am ersten Weihnachtsfeiertag 1952 begann der NWDR mit dem regelmäßigen Fernseh-Programm, das aus technischen Gründen allerdings noch nicht überall in der Bundesrepublik zu sehen war.
Der Kampf um Quote und gegen Kosten hat den deutschen Fernsehmarkt geprägt und wird dies auch weiterhin tun. Konzentration in Form von »Senderfamilien« zur besseren Nutzung teuer erworbener Rechte an Filmpaketen und Sportübertragungen war die Konsequenz bei den Privaten, verstärkte Kooperation und Konzentration bei den Öffentlich-rechtlichen. Auch vor diesem Hintergrund schlossen sich am 1. Mai 2003 der Sender Freies Berlin (SFB) und der Ostdeutsche Rundfunk Brandenburg (ORB) zum RBB (Rundfunk Berlin-Brandenburg) zusammen. Südwestfunk und Süddeutscher Rundfunk hatten schon 1998 zur Zweiländer-Anstalt Südwestrundfunk (SWR) fusioniert. Der SWR ist die größte Länderrundfunkanstalt nach dem WDR, Radio Bremen die kleinste.
Die Programmschwerpunkte bei Privaten und Öffentlich-rechtlichen unterscheiden
sich deutlich. Programm-Analysen besagen über viele Jahre hinweg immer dasselbe:
Die Privaten legen das Hauptaugenmerk auf die unterhaltenden Programmsparten.
Die Öffentlich-rechtlichen bieten wesentlich mehr Informationssendungen. Eine Programmanalyse (2005, Institut für empirische Medienforschung/Köln) für ARD/Das Erste und ZDF auf der einen Seite und RTL, Sat.1 und ProSieben auf der anderen kommt zu folgendem Ergebnis5:
Sparte: Sender im Durchschnitt:
ARD/Das Erste und ZDF RTL, Sat.1 und ProSieben
Information 46 Prozent 24 Prozent
Hinzu kommt, dass bei den Öffentlich-rechtlichen die Vielfalt informativer Sendungsformen größer ist und mehr an den »klassischen« Formen festgehalten wird. Die Privaten bieten dagegen verstärkt unterhaltungsorientiertere, »weichere« Formate.
Auch bei den Nachrichten zeigen sich deutliche Unterschiede, sowohl beim zeitlichen Umfang wie auch beim Inhalt:
Sender Das ERSTE ZDF RTL SAT.1 ProSieben
Anteil 2005, 9,6 9,6 4,0 3,2 1,1
Prozent/Tag
Die folgende Themenstruktur bei allen Nachrichten zwischen 17.00 und 1.00 Uhr
(Auszug) wurde 2005 in einem untersuchten Zeitraum von vier Wochen ermittelt:
Anteil Sparte in
Prozent
Das Erste ZDF RTL SAT.1
Politik 55,6 47,2 30,2 21,1
Kultur/Wissenschaft/
Religion
17,5 19,6 19,0 17,5
Human
Interest/Prominenz/
Showbiz
2,7 3,2 8,3 16,7
Kriminalität 0,7 2,0 6,1 5,6
Obwohl solche Struktur-Untersuchungen auch davon beeinflusst werden, welche Ereignisse in welchen Sparten während des Untersuchungszeitraums stattfinden, (Papst-Besuch, Prozess gegen den Pop-Sänger Michael Jackson) und auch die Definition der Sparten eine Rolle spielt, ist die Tendenz eindeutig: Die Öffentlich-rechtlichen geben dem »journalistischen Bereich« (auch: der Fernsehpublizistik) deutlich mehr Gewicht in ihren Programmen.
Journalistische Arbeitsplätze im ö.-r. Rundfunk sind wegen der unterschiedlichen Programmschwerpunkte zahlreicher und für viele auch interessanter und anspruchsvoller (vgl. »Ausbildung beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk« und »Fortbildung beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk«). Zudem ist der Zwang, »Quote zu machen«, also möglichst viele Zuschauer mit einer Sendung zu erreichen, wegen des Programmauftrags und der Gebührenfinanzierung nicht (ganz) so groß. Deshalb können sie auch wesentlich mehr Formate anbieten, die nicht dem breiten Massengeschmack entsprechen müssen.
Journalistische Arbeitsplätze im Privatfunk, besonders bei den großen überregionalen Sendern, sind ebenfalls begehrt. Allerdings gibt es dort außerhalb der Nachrichten wesentlich weniger Informationssendungen und wenn, dann enthalten sie meist auch unterhaltungsorientierte Beiträge.
Wer gegen populäre Themen nichts einzuwenden hat und auch nicht dagegen, sie effektvoll zu präsentieren, der wird als Fernseh-Journalist aber auch bei den Privaten interessante Betätigungsfelder finden (vgl. »Aus- und Fortbildung beim Privatfernsehen«). Der Weg dorthin und dann auf der Erfolgsleiter nach oben ist vielleicht etwas einfacher als bei den Öffentlich-rechtlichen. Hinzu kommt, dass Privatsender nicht gleich Privatsender ist, wie man auch an der oben auszugsweise dargestellten Programmanalyse sieht.
Voll- oder Spartenprogramme sind unterschiedliche Programmtypen oder Formate,
die sich bei Privaten wie Öffentlich-rechtlichen finden. Vollprogramme (z.B. ARD, ZDF, RTL und SAT.1) enthalten alle wesentlichen Programmsparten, wenn auch zu unterschiedlichen Anteilen. Spartenprogramme sind z.B. Arte (Kultur/Information), KIKA (Kinder), n-tv (Information), Viva (Musik/Unterhaltung) und DSF (Sport).
Selbst wenn man die ausländischen Kanäle nicht hinzunimmt, sind manche Sparten gleich mehrfach besetzt. Das digitale Fernsehen sorgt für noch wesentlich mehr Spartenkanäle, vor allem als Pay-TV-Programme.
Vollprogramme bieten vielseitigere Arbeitsplätze. Fernseh-Journalisten haben dort eher die Möglichkeit, besonders als Freie, z.B. für Nachrichtensendungen, Magazine und Fachredaktionen zu arbeiten, ohne den Sender wechseln zu müssen. Anfänger können in Sendungen »einsteigen«, in denen (einfachere) Kurzfilme gebraucht werden und sich Schritt für Schritt an längere Produktionen in anderen Redaktionen heranwagen. Die entsprechenden Kontakte ergeben sich oft von selbst.
Ob Spartenkanäle für Fernseh-Journalisten geeignete Arbeitsplätze haben, hängt von der Sparte ab. In Spielfilm- und Unterhaltungskanälen ist das weniger der Fall. Trotzdem kann sich eine Anfrage lohnen, gelegentlich gibt es auch dort »journalistische Ecken«, wo man sie nicht vermutet. Ein News-Kanal dagegen beschäftigt viele Journalisten, vor und hinter der Kamera. Allrounder arbeiten da für die Nachrichten, aber z.B. auch Fachredakteure für die Wirtschaftsberichterstattung. Sport-Journalisten braucht natürlich das Sport-Fernsehen.
Selbst wenn dort für lange Programmstrecken die Bilder »eingekauft« werden, müssen sie doch kommentiert und bearbeitet und eigene Sendungen gestaltet werden.
Überregionale Fensterprogramme können ebenfalls interessante Arbeitgeber für Fernseh-Journalisten sein, besonders wenn sie den Namen renommierter Zeitungen oder Zeitschriften wie Spiegel-TV oder Stern-TV tragen. Sie haben in privaten FSProgrammen regelmäßige Sendungen (»Fenster«), die sie mit einer eigenen Lizenz oder auf Grund vertraglicher Vereinbarungen mit TV-Produktionsfirmen selbstständig gestalten.
Weltweit bis lokal werden Fernsehprogramme ausgestrahlt. Das »Deutsche Welle Fernsehen« sendet aus Berlin über Satelliten ein nachrichtenorientiertes Vollprogramm in alle Welt. In Bayern etwa gibt es eine Reihe von »Mini-Sendern«, die mit ihrem Lokal-Programm nur die eigene Stadt und die Umgebung erreichen, wie z.B. »TV 1 Schweinfurt«.
Dazwischen gibt es alle denkbaren Verbreitungsgebiete: Ballungsraum-Fernsehen (z.B. in Hamburg, Berlin, Rhein-Main und München), Programme für einzelne Regionen oder Bundesländer und überregionale für ganz Deutschland. Kleine Private haben nur lokale oder regionale Lizenzen. Die großen Privaten schalten ihr bundesweites Programm für landesweite »Fenster« auseinander.
»Regional-Fenster«. Innerhalb von Programmen für ein größeres Sendegebiet werden oft unterschiedliche Lokal- oder Regional-Sendungen ausgestrahlt. Das jeweilige Hauptprogramm wird dafür zeitweise auseinandergeschaltet. Solche regionalen »Fenster-Programme« können öffentlich-rechtlich oder privat sein.
In den »Dritten« liegt bei der ARD (die ja mit Rundfunkanstalten oder Funkhäusern in allen Bundesländern vertreten ist) der Schwerpunkt der Regionalberichterstattung.
Dabei werden alle Bereiche von der Landes- und Lokalpolitik über Aktuelles, Wirtschaft, Kultur und Sport bis zum Vermischten abgedeckt. Die Vielfalt von Sendungsformen reicht von Nachrichten über Magazine und Interview-Sendungen bis hin zu Diskussionen, Talkshows und Features. Entsprechend groß sind dort die journalistischen Betätigungsmöglichkeiten, ob als Freier oder als Redakteur. Als Freier kann man auch regional arbeiten und gleichzeitig für Redaktionen, die dem Ersten zuliefern.
Für Berufsanfänger bringt dieser unterschiedliche räumliche Zuschnitt große Vorteile. Für lokale/regionale Programme werden zahllose Nachrichten und Kurz-Filme gebraucht. Sehr häufig gelingt Reportern damit der Einstieg in das Medium Fernsehen. Auch wer gern als Moderator vor die Kamera möchte, hat als Anfänger im Lokalen oder Regionalen größere Chancen und weniger hohe Hürden zu überwinden.
Mit so im Kleinen gesammelter Sicherheit und Erfahrung, kann man sein Glück dann »eine Nummer größer« versuchen. Nicht selten kommen Angebote von ganz allein. In einem so wettbewerbsorientierten Markt werden Talente und »frische Gesichter« ständig gesucht. Erst einmal muss man allerdings »drin« sein und die Möglichkeit bekommen haben, sich zu bewähren.
Wie sich Fernseh-Programme finanzieren – auch danach kann man sie einteilen:

  • hauptsächlich durch Gebühren und nur zum geringen Teil durch Werbung und Sponsoring die öffentlich-rechtlichen,
  • durch Werbung die privaten Programme,
  • durch monatliches Entgelt für den gesamten Kanal (Pay-per-Channel=Abonnementsfernsehen), z.B. »Sky«,
  • durch Entgelt für einzelne Sendungen (Pay-per-View),
  • durch eine Kombination von »Pay-per-Channel« und zusätzlich »Pay-per-View«
  • für einzelne besonders attraktive Angebote.

Fernseh-Produktionsfirmen sind wichtige »Programm-Lieferanten«. Sie produzieren in der Regel kostengünstiger als die Fernsehsender selbst, weil sie

  • als kleinere Firmen flexibler sind,
  • das Produktionspersonal oft nur auf Produktionsdauer verpflichten und
  • weniger Arbeitszeitregelungen zu beachten haben oder sie in Selbstausbeutung »großzügig« praktizieren.

Die Privaten kaufen deshalb traditionell Fremdproduktionen im großen Umfang, auch viele Beiträge für aktuelle Sendungen. Zumeist wurde auch die komplette Regionalberichterstattung in den Bundesländern von den großen Privaten in Produktionsfirmen ausgelagert.
Die Öffentlich-rechtlichen folgen zunehmend diesem (für die Arbeitnehmer nicht immer guten) Beispiel (vgl. »Wirtschaftlich produzieren«). Sie lassen auch häufig bei privaten Tochterunternehmen produzieren. Produktionsfirmen sind zum Teil sehr kleine Privatunternehmen, größere haben als Gesellschafter auch finanzkräftige Privatsender oder sind durch langfristige Verträge mit ihnen verbunden. Solange die Quote stimmt, ist die Zusammenarbeit meist relativ problemlos.
Bei Produktionsfirmen als Journalist arbeiten – das ist ebenfalls eine Möglichkeit.
Auch dort gibt es journalistische Arbeitsplätze, Praktika und teilweise Volontariate. Wer auf diese Weise seine Fernsehlaufbahn beginnt, wird sich über mangelnde Auslastung und Praxis sicher nicht zu beklagen haben, über mangelnde Ausbildung vielleicht schon eher. Durch die Arbeit können sich aber auch Kontakte in die Redaktionen der Fernsehsender ergeben, was beim nächsten Karriereschritt dienlich sein kann (vgl. »Aus- und Fortbildung beim Privatfernsehen«).
Offene Kanäle (vgl. »Anschriften«) sind ausdrücklich nicht für Profis gedacht, sondern für Laien, die sich mit Hilfe des Fernsehens einem breiteren Publikum mitteilen wollen. Dennoch sind die Offenen Kanäle auch für diejenigen interessant, die das Fernsehen zum Beruf machen wollen. Sie verfügen nämlich häufig über Trainer und eine akzeptable technische Ausstattung. Beides hilft dabei, erste Fernseh-Erfahrungen zu sammeln, um sie dann vielleicht bei Bewerbungen auch als Nachweis des Interesses am Medium zu präsentieren.
Einen Aus- und Fortbildungskanal (AFK) unterstützt die Bayerische Landeszentrale für Neue Medien in München. Er bietet im Kabel Sendeplätze, die von journalistischen Ausbildungseinrichtungen genutzt werden. Aber auch über verschiedene andere Institutionen kann man sich erste praktische Fernsehkenntnisse aneignen (vgl. »Aus- und Fortbildung an Universitäten, Journalistenschulen und in Kursen«).
Einen Wegweiser durch den Dschungel der deutschen Fernsehlandschaft gibt es nicht – nur mehrere. Adressen finden sich unter »Anschriften«. Vollständig und immer auf dem letzten Stand kann aber auch ein regelmäßig neu aufgelegtes Lehrbuch wie dieses nicht sein. Deshalb folgen hier einige wichtige Hinweise:

  • Jahrbücher bringen ARD (Verlag: Hans-Bredow-Institut, Hamburg) und ZDF (hrsg.von der ZDF-Abteilung Information und Presse) heraus. Inhalt u.a.:
  1. Anschriften der Funkhäuser und Landesstudios,
  2. Namen leitender Mitarbeiter,
  3. Angaben zu Organisation und Programmen und
  4. grundsätzliche Beiträge u.a. zur Entwicklung von Programmen, Finanzen, Medienpolitik und Rechtsprechung.
  • Vom ZDF-Jahrbuch gibt es eine Online-Ausgabe (www.ZDF-Jahrbuch.de).
  • Im »DLM-Jahrbuch« der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (VistasVerlag, Berlin) sind enthalten:
  1. die Anbieter des Privatfernsehens, sowohl regional wie überregional,
  2. die Offenen Kanäle und Informationen dazu sowie
  3. Beiträge zur Entwicklung des Privatfernsehens unter allen Aspekten.

Eine Buch-Inhaltsangabe findet sich über www.vistas.de.

  • Das »Jahrbuch Fernsehen«, vom Adolf-Grimme-Institut, dem Gemeinschaftswerkder Evangelischen Publizistik und dem Katholischen Institut für Medieninformation herausgegeben, bringt
  1. Adressen von deutschen Fernsehsendern, Produktionsfirmen und Fernseh-Ausbildungseinrichtungen,
  2. zahlreiche weitere Service-Informationen und
  3. Grundsatzartikel.

Auskünfte gibt es bei den Sendern selbst und bei den einzelnen Landesmedienanstalten, zumindest für das jeweilige Bundesland. Will man wissen, welche Produktionsfirmen für ein bestimmtes Programm arbeiten, sollte man sein Glück direkt bei den Sendern versuchen. An den größeren Medienstandorten helfen bestimmt auch schon die »Gelben Seiten« weiter.
Bewerbungen für Praktika-, Hospitanzen und Volontariate sind meist an die Personalabteilungen der Sender zu richten. Manchmal hat man aber auch (bei kleineren Sendern) Erfolg, wenn man sich direkt an Redaktionen wendet, die dann von sich aus die Personalabteilung einschalten. Bei kleineren Produktionsfirmen ist nicht ausgeschlossen, dass auch eine persönliche Nachfrage ein erfolgreicher Weg ist. Wenn es um freie journalistische Mitarbeit geht, sind die Redaktionen die richtige Anlaufstelle. Für Aushilfsjobs sollte man sein Glück direkt bei den Produktionsbereichen (z.B. bei der Produktionsdirektion, dem Bereich Produktion, der Produktionsleitung oder einzelnen Produktionsleitern) versuchen.
1 Die genaue Zusammensetzung aller Rundfunkräte findet sich im ARD-Jahrbuch,
Verlag Hans-Bredow-Institut, Hamburg, erscheint jährlich.
2 Ausführliche Darstellung der Geschichte des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und
der Anfänge des Fernsehens in Hans Bausch (Hrsg.), Rundfunk in Deutschland,
Bde. 3 und 4 ( Deutscher Taschenbuchverlag, München, 1980)
3 Kurt-Krüger-Lorenzen, Ruhe im Karton, als Manuskript veröffentlicht von (Deutsche
Verlags-Anstalt, Stuttgart, o.J.), S. 256 ff.
4 Kurt Wagenführ, Anmerkungen zum Fernsehen 1938 bis 1980, herausgegeben von
Hans Bausch, Dieter Stolte (Mainz/Stuttgart, 1983, ohne Verlag)
5 Udo Michael Krüger/Thomas Zapf-Schramm, Sparten, Sendungsformen und Inhalte
im deutschen Fernsehangebot 2005, in Media-Perspektiven 4/2006.
Quelle: Fernseh-Journalismus, 8. Auflage («Online plus«)
(c) Ullstein Buchverlage GmbH / Econ Verlag, Berlin 2011, www.onlinejournalismus.org/tv-journalismus
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der Ullsteinbuchverlage GmbH