Linearer Schnitt


Elektronisch oder linear Schneiden, heißt Kopieren.
Zur Erinnerung: Beim nonlinearen Schnitt (vgl. dort) wird nichts verändert oder kopiert. Es wird für die einzelnen Einstellungen nur eine »Adressenliste« angelegt, nach der sie dann abgespielt werden und dabei zum fertigen Beitrag werden.
Anders beim elektronischen oder linearen Schnitt. Hier wird aus den einzelnen Einstellungen dadurch der Beitrag, dass man sie in der gewünschten Reihenfolge nahtlos und störungsfrei hintereinander auf ein Aufzeichnungsband kopiert. Es entsteht also ein neues Gesamtprodukt.
»Linearer Schnitt« ist nicht etwa mit »analog« gleichzusetzen. Heute wird so fast ausschließlich digitales Material geschnitten.

Weitgehend Vergangenheit ist der lineare Schnitt zwar, weil er vom nonlinearen abgelöst wurde. Dennoch gibt es ihn noch. Vorhandene Geräte älterer Formate (VHS, SVHS, VHS-C, SVHS-C, Betamax, Video2000, Video8, U-Matic, Highband, U-Matic-SP, Betacam (SP) müssen bis zur teuren Umrüstung genutzt werden. Wer in einem Sender oder einer Produktionsfirma arbeitet, wo das der Fall ist, tut also gut daran, diesen Beitrag durchzuarbeiten.

Eine Kombination von nonlinearem und linearem Schnitt gibt es ebenfalls. Dabei wird das gedrehte Material auf einen Server eingespielt. Danach steht es im Schnittcomputer ebenso zur Verfügung wie beim nonlinearen Schnitt (vgl. dort). Davon abgesehen wird aber verfahren wie weiter unten bei »Schnittvorgang« dargestellt.

Auf der (den) Zuspielmaschine(n) liegen die Bänder mit dem ungeordneten Material. Vom Player (Zuspielmaschine) werden die einzelnen Einstellungen in der gewünschten Reihenfolge auf den Recorder (Aufzeichnungsmaschine) überspielt. Dieses Umkopieren wird mit einem Schnittsteuergerät durchgeführt, dem die entsprechenden Befehle eingegeben werden. Der Schnitt geht schneller, wenn man mehrere Zuspielmaschinen verwendet (gestrichelte Linien). Die Schemazeichnung verdeutlicht dieses Arbeitsprinzip:
EB-Schnitt
Linearer Schnitt: Von der Zuspielmaschine werden die einzelnen Einstellungen in der
gewünschten Reihenfolge auf die Aufzeichnungsmaschine überspielt.

Unterschiedliche Ausdrücke sind für die Bänder auf dem Player (Zuspielmaschine) und dem Aufzeichnungsrecorder gebräuchlich:

  • Zuspielband, Zuspielung,
  • Slave (Sklave, gleichzeitig Bezeichnung für Zuspielmaschine)
  • Mutterband, Source (Quelle)

Das Band auf der Aufzeichnungsmaschine, das gesendet (oder erst einmal archiviert) werden soll, wird genannt:

  • Aufzeichnung,
  • Master (gleichzeitig Bezeichnung für Aufzeichnungsmaschine),
  • Kopierband, Sendeband, (S-Band).

Der Schnittvorgang ist im Prinzip derselbe – unabhängig davon, wie unterschiedlich die verwendeten Schnittsteuer-Geräte und Recorder sein mögen. Man beginnt von vorn:

  • Zuerst wird also die erste Einstellung des Films auf das Aufzeichnungsband kopiert.
  • Danach wird auf dem Zuspielband der genaue Anfang der bereits ausgewählten 2. Einstellung gesucht. Dazu kann man das Band sehr langsam (wenn gewünscht: Bild für Bild) vor- und zurückfahren. Ist der Einstieg (»enter«, »in«) gefunden, wird diese Stelle durch Tastendruck markiert. Technisch gesehen wird dabei der Timecode von der Schnittsteuer-Einheit festgehalten. Damit weiß das Schnittsteuer-Gerät, dass hier die 2. Einstellung beginnen soll. Auf dieselbe Weise wird jetzt der »Ausstieg« (»out«) gesucht und markiert. Das Ende dieser 2. Einstellung wird meist großzügig und vorläufig festgelegt, damit man später beim Anschnitt der 3. Einstellung noch die Möglichkeit hat, das Ende der 2. Einstellung zukorrigieren.
  • Die so festgelegte 2. Einstellung wird kopiert. Auf dem Aufzeichnungsband ist damit die 2. Einstellung an die 1. angefügt worden. Nun beginnt der Vorgang von neuem, wobei noch das genaue Ende der 2. Einstellung auf dem Aufzeichnungsband festgelegt werden muss.
  • Bei jeder weiteren Einstellung wird entsprechend verfahren.

Schnitte können vorher simuliert werden. (Vorschau-Funktion/Preview). Dabei tun die Recorder nur so, »als ob« sie den Schnitt durchführten. Cutterin und Reporter können ihn sich dann auf dem Monitor ansehen und überprüfen. Die Recorder laufen nach dieser Schnittsimulation wieder in ihre Ausgangsposition zurück. War die Schnittstelle richtig markiert, kann jetzt geschnitten (kopiert) werden (»edit«, »record«).

Schnitte können wiederholt werden. Probieren Sie aus, ob die Bilder aneinanderpassen. Auf den Kontrollmonitoren können beide Bilder auf ein Feld genau als Standbild (»still«) wiedergegeben werden. Vergleichen Sie die Monitore, und achten Sie darauf, ob die Anschlüsse der Bewegung des Motivs stimmen (vgl. »Bildschnitt«).
Beim linearen Schnitt unterscheidet man zwei Methoden:

Der Assemble-Schnitt hat seinen Namen von dem englischen Wort to assemble (= etwas zusammenfügen, zusammensetzen). Dabei werden die Einstellungen, wie eben dargestellt, nacheinander vom Zuspielband auf das Aufzeichnungsband umkopiert (Bild und Ton gleichzeitig): Eine Einstellung wird an die andere gefügt. Die Skizze macht es deutlich.

Assemble-Schnitt

Der Insert-Schnitt hat seinen Namen von dem englischen Wort to insert (= etwas einsetzen). Mit seiner Hilfe können bereits kopierte Bildpassagen nachträglich durch andere Bilder ersetzt werden.
Beispiel: Ein Reporter ist mit einem »Aufsager« im Bild zu sehen. Er steht auf der Frankfurter Buchmesse vor dem Stand des Econ-Verlages und spricht auch über die Reihe »Econ Journalistische Praxis«. In dem Augenblick, in dem er die Reihe »anspricht«, soll die Neuauflage »Fernseh-Journalismus« groß gezeigt werden.
Mit einem Insert-Schnitt wird an der betreffenden Stelle in die Einstellung »Reporter« die Einstellung »Buch« eingesetzt. Dabei wird die bereits vorhandene Länge des Aufsagers nicht verändert. Der Ton bleibt durchgehend erhalten, nur die Bilder werden also ausgetauscht.

Programmierter Schnitt. Bei größeren Produktionen werden Schnittcomputer verwendet. Bei dieser Methode muss mit Time-code gearbeitet werden.
Die gewünschten Schnittstellen (Ein- und Ausstieg) werden dann nicht, wie beschrieben, markiert, sondern es werden in den Computer die bis auf das einzelne Bild genauen Zeitangaben für den gewünschten Schnitt eingegeben. Danach steuert der Computer dann die Recorder – zur Schnittsimulation oder zum Kopieren.
Die Angaben aller Schnitte kann sich der Computer merken und auch auf einem Bildschirm zeigen oder auf einem Speichermedium (USB-Stick, Flash oder Floppy-Disc) speichern. Auf diese Weise erhält man einen genauen Schnittplan, den man nachträglich auch ändern kann. Tut man das (weil man z. B. kürzen muss), dann gibt man dem Schnittcomputer den korrigierten Plan ein, und er wiederholt automatisch den gesamten Schneidevorgang.
Der programmierte Schnitt ist eine große Arbeitserleichterung im Vergleich zum handgesteuerten Schnitt. Will man dabei nämlich mitten in einem Beitrag etwas ändern (Insert-Schnitt ausgenommen), dann muss man von dieser Stelle an alle Schnitte einzeln wiederholen. Eine äußerst zeitaufwendige Angelegenheit.

Eine MAZ-Regie ermöglicht ein besonders rationelles Arbeiten. Durch diese kleine »Kommandozentrale« kann z. B. eine Aufzeichnungsmaschine über ein Schnittsteuergerät mit beliebig vielen Zuspielmaschinen verkoppelt werden. Dies können auch Filmgeber (zum Zuspielen auf traditionellem Film aufgezeichneter Bilder, Archiv-Material) und Zeitlupenmaschinen sein.
In der Regel sind auch ein Mischer für elektronische Trickmöglichkeiten und ein ausreichendes Tonmischpult vorhanden. Schriften vom Videographen können weich ein- und ausgeblendet werden, sie können eingefärbt und mit Schatten oder Border versehen werden. Eine Reihe einfacher Tricks ermöglichen allerdings auch die Maschinen an den normalen Schnittplätzen. Häufig kann auch eine elektronische Kamera, z. B. aus einem Ansagestudio dazugeschaltet werden, eventuell auch eine Paintbox oder, z. B. für Sportveranstaltungen, ein Zeitcomputer. Mehrere Zuspielmaschinen machen, bei mehreren aufgezeichneten Bändern, den Bandwechsel überflüssig, zumindest jedoch seltener – das spart Zeit.

EB-Schnittplatz

Bild und Ton auf einem Band bedeutet, dass Bild und Ton immer synchron sind und im Prinzip auch zusammen (durch gleichzeitiges Umkopieren) geschnitten werden.

Der gleichzeitige Schnitt von Bild und Ton auf einem Band führt oft zu sehr harten Tonsprüngen. Deshalb werden Bild und Ton lieber versetzt geschnitten und überblendet. Dabei »merkt« sich ein Mikroprozessor die entsprechenden Signale, die vom Player hereinkommen, und gibt sie an der gewünschten Stelle wieder. Der ursprünglich aufgezeichnete Ton wird dabei durch einen neuen, von einer anderen Stelle des Zuspielbandes stammenden Ton ersetzt und weich ein- und ausgeblendet.

Bild und Ton getrennt schneiden. Das beim »Insert-Schnitt« beschriebene Beispiel zeigt, wie oft es erforderlich wird, so zu arbeiten. Der Kommentar des Reporters soll durch den Insert-Schnitt ja nicht gelöscht oder ausgetauscht werden. Der Schnitt muss deshalb ein »Nur-Bildschnitt« (»video only«) sein. Ebenfalls ist es möglich, nur den Ton (»audio only«) zu schneiden. Sind mehrere Töne auf mehreren Spuren aufgezeichnet, können sie auch gesondert mit Nur-Tonschnitten (»audio only, channel 1 oder 2«) geschnitten werden.

Mischung. Bleibt mehr Zeit für die Tonbearbeitung, werden die Töne abwechselnd auf die beiden Tonspuren kopiert (für Blenden etwas überlappen lassen) und dann im Synchronstudio gemischt.