Gratiskultur vs. Paid Content

»Besser online«-Konferenz

Was die Musikindustrie konsequent durchsetzt, steckt im journalistischen Online-Bereich immer noch in den Kinderschuhen: Der Nutzer zahlt für den Content. Es gibt nur ganz wenige Erfolgsbeispiele, dazu zählt die Stiftung Warentest. Sie erlaubt dem Leser einen Einblick in die Tests, bietet die kompletten Testergebnisse aber nur gegen Entgelt an. Die Betreiber haben die Bezahlverfahren konsequent weiterentwickelt bis hin zum Bezahlen per Handy. Warum ist dies anderen Content-Anbietern bisher nicht gelungen? Und ist es überhaupt noch realisierbar, für journalistischen Content eine adäquate Bezahlung zu bekommen? Mit diesen und anderen Fragen rund um Paid-Content hat sich aktuell die Konferenz »Besser online« beschäftigt:

Auch nach 15 Jahren: Ohne Strategie in die Zukunft

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Zusammenfassung

publiziert am 9. Oktober 2010 von Falk Herrmann

Aus: http://rdn-online.de/besseronline/2010/10/auch-nach-15-jahren-ohne-strategie-in-die-zukunft/

»Die Diskussion um ein Leistungsschutzrecht ist höchstens ein Hebel – überhaupt in eine Diskussion zu kommen…«, versucht Jochen Wegner, (noch) Chefredakteur von Focus-online, die Debatte im Eröffnungspodium des sechsten Kongresses “Besser Online” des Deutschen Journalistenverbandes DJV halbwegs in Schwung zu bringen, die sich über weite Strecken mit dem Austausch bekannter Positionen zu befassen droht.

Verlage, so Prof. Dr. Robert Schweizer, Justiziar bei Hubert Burda Media und zugleich als Vertreter der Verlegerseite auf dem Podium, erbringen mit ihren Autoren eine Leistung, auf deren Grundlage Suchmaschinen wie Google Milliardengewinne einfahren würden. Mithin sei es nur folgerichtig, dass Google und Co. sich über ein gesetzlich geregeltes Leistungsschutzrecht im Rahmen eines »Fair Share« an den Kosten beteiligen.

Dr. Anja Zimmer, Geschäftsführerin des DJV Landesverbandes NRW, pflichtet der These prinzipiell bei – wenn denn, wie Zimmer in der weiteren Diskussion präzisiert, wenigstens die Hälfte dieser Einnahmen den beteiligten Autoren zu Gute komme.

Die eigentliche Crux der fehlenden Erlösmodelle bringt dann wohl nicht das Podium, sondern die Diskussion des Publikums auf den Punkt: Verlagen scheint es auch 15 Jahre nach dem beginnenden öffentlichen Boom des Netzes an Strategien für die Finanzierung einerseits, an einfachen technischen Lösungen für Bezahlmodelle andererseits, zu fehlen. Journalistische Verflachung infolge der Ausdünnung vieler Redaktionen und schlechter Bezahlung freier Autoren würden das Problem weiter verschärfen. Denn eigentlich, so der Tenor, seien Menschen durchaus bereit, für journalistisch hochwertige Beiträge zu zahlen, wenn es denn die Möglichkeit gäbe – abseits überkommener Abomodelle.

Jochen Wegner hat die Hoffnung nicht aufgegeben und versucht in diesen Tagen mit einer neuen Firma genau diese Herausforderung zu meistern. Er schreibt den etwa 250 Teilnehmern ins Stammbuch: Auch wir Journalisten sollten uns endlich Gedanken um die Finanzierungsmodelle im Netz machen. Denn: »In einigen Jahren wird die Diskussion um Leistungsschutzrechte wohl nicht mehr der Kern der Debatte sein.«